Vermischtes
Newsroom

„Wenn Sie wüssten …“: RND räumt Fehler bei Recherche zu Merz und Döpfner ein

„Wenn Sie wüssten …“: RND räumt Fehler bei Recherche zu Merz und Döpfner ein Eva Quadbeck und Stephan Lamby (Foto: RND)

Chefredakteurin Eva Quadbeck und Dokumentarfilmer Stephan Lamby halten jedoch am Kern ihrer Recherche fest. Nun mischt sich auch Paul Ronzheimer ein.

Berlin – RND-Chefredakteurin Eva Quadbeck und Dokumentarfilmer Stephan Lamby räumen in der zweiten Ausgabe des RND-Politik-Podcasts „Wenn Sie wüssten …“ Fehler in ihrer Berichterstattung über zwei Treffen zwischen Springer-Chef Mathias Döpfner und Bundeskanzler Friedrich Merz ein. Sie hatten vergangene Woche berichtet, dass Döpfner Merz zu einer Zusammenarbeit mit der AfD gedrängt haben soll, berichtet turi2.


„Bei der Darstellung der Versuche der Einflussnahme sind wir übers Ziel hinausgeschossen“, sagt Lamby nun und erklärt, er habe die umstrittenen Zitate „aus Quellen erhalten, die, wie ich heute weiß, nicht solide sind“. Er könne die Zitate „nicht untermauern“ und hätte sich „nicht darauf verlassen sollen“. Die Zitate hätten „plausibel in unsere Recherche gepasst, und da sind wir unvorsichtig geworden“, sagt Quadbeck und ergänzt: „Und damit, das müssen wir auch eingestehen, haben wir den Kern unserer Geschichte aufgebauscht.“


Dass es im Frühjahr ein Treffen zwischen Merz und Döpfner gegeben habe, hat inzwischen ein Regierungssprecher bestätigt. Für ein erstes Treffen vor der Bundestagswahl „liegt uns eine schriftliche Bestätigung vor“, sagt Lamby, ohne auf Details einzugehen. Quadbeck berichtet davon, dass „mehrere führende Unionsvertreter“ dem RND bestätigt hätten, „dass sich Union und Kanzleramt von Springer unter Druck gesetzt sehen, die Brandmauer zur AfD einzureißen“. Der Kern der Recherche bleibe daher bestehen, erklärt Lamby. „Die wörtlichen Zitate, die wir bewusst mit aller Vorsicht gebracht hatten, können wir nicht aufrechterhalten.“

 

Ronzheimer: „eine Verschwörungstheorie“

Als Reaktion auf die erste „Richtigstellung“ vom Wochenende hat sich in den Streit Paul Ronzheimer eingeschaltet. Der Bild-Vize schreibt auf X: „Die Macher des RND-Podcasts stellen klar, dass sie keine Belege für ihre Story hatten und haben. Die Behauptung, dass ein wütender Verleger den sich heldenhaft wehrenden Bundeskanzler (in einem grotesken, operettenhaften Dialog) zur Kooperation mit der AfD aufgefordert und anschließend bedroht hätte, um schließlich seine Armada willenloser Journalisten auf den aufrechten Regierungschef zu hetzen, ist eine Verschwörungstheorie.“

Ronzheimer kritisiert in seinem Post nicht nur die Recherche, sondern spannt den Bogen noch weiter: Es sei „eine Verschwörungstheorie, die zahllose Journalisten diskreditiert hat, die täglich ihren Job machen und kritisch über die AfD berichten”. Die Geschichte habe gegenüber Tausenden Menschen im Land das Gefühl vermittelt, dass unabhängige Journalisten in Wahrheit von mächtigen Menschen nach Lust und Laune auf politische Gegner gehetzt würden. Ronzheimer betont zudem seine eigene Haltung: Er habe noch im Wahlkampf 2025 die Bundestags-Abstimmung von Union mit AfD in einem Kommentar massiv kritisiert. Er sei persönlich der Überzeugung, dass mit der AfD keine Koalition oder Zusammenarbeit möglich sei, und betone dies immer wieder in seinem Podcast und auch sonst.

 

Ronzheimer übt zwar scharfe Kritik, erkennt aber zugleich die Arbeit von Eva Quadbeck, Kristina Dunz und Stephan Lamby vom RND ausdrücklich an. Jetzt sei aber an der Zeit zu sagen:  “Wir bitten um Entschuldigung und wir löschen die erste Folge, weil wir leider komplett falsch lagen", so Ronzheimers Vorschlag. 

 

Quellen: getpodcast.com, sueddeutsche.de, faz.net, tagesspiegel.de



 

Sie möchten aktuelle Medien-News, Storys und Praxistipps lesen – und sich über Jobs, Top-Personalien und Journalistenpreise aus Deutschland informieren? Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter.

 

Sie haben Personalien in eigener Sache oder aus Ihrem Medienhaus? Oder ist Ihnen in unseren Texten etwas aufgefallen, zu dem Sie sich mit uns austauschen möchten? Dann senden Sie Ihre Hinweise bitte an georg.taitl@oberauer.com.