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Philipp Welte kandidiert nicht mehr für MVFP-Vorsitz

Philipp Welte kandidiert nicht mehr für MVFP-Vorsitz Philipp Welte (Foto: Rene Reiche)

Der frühere Burda-Verlagschef verzichtet auf eine erneute Kandidatur an der Spitze des Medienverbands der freien Presse und warnt zugleich vor einer Zuspitzung der Lage in der Branche.

Berlin – Philipp Welte wird im Juni nicht mehr für den Vorstandsvorsitz des Medienverband der freien Presse kandidieren. Das teilt der frühere Burda-Verlagschef in einem offenen Brief an die Geschäftsführungen der Mitgliedsverlage mit. Als Grund nennt er, dass die Satzung des Verbandes eine operative Verankerung in einem Verlag voraussetzt – die er seit seinem Abgang bei Burda Ende 2025 nicht mehr hat. „Ich bin frei. Und ich bleibe frei“, schreibt Welte.

 

Welte hatte den MVFP über Jahre geprägt: zuerst als Vorsitzender der Publikumsmedien, dann als Vorstandsvorsitzender. Den Verband hatte er vom Verband der Zeitschriftenverleger zum heutigen Medienverband der freien Presse reformiert und modernisiert. „Wir haben es gemeinsam geschafft, einen wirkungsmächtigen Verband zu formen, der unsere Interessen als Branche mit einer starken Stimme vertritt – in den Ländern, auf Bundesebene und in Europa“, bilanziert er.

 

Sein Brief ist aber mehr als eine Rücktrittserklärung. Welte zeichnet ein düsteres Bild der Medienbranche: Die digitale Medienwelt werde beherrscht von den mächtigsten Unternehmen der Geschichte. Alle Mechanismen der Monetarisierung seien angegriffen – im Werbemarkt marginalisiert, im digitalen Vertrieb von internationalen Monopolisten abhängig. „Unsere Branche befindet sich in einer höchst kritischen Phase“, schreibt Welte.

 

Gleichzeitig warnt er vor den gesellschaftlichen Folgen: Hass, Wut und Angst verbreiteten sich im Netz sechsmal schneller als echte Information. Manipulation und Desinformation zerstörten Vertrauen – „und damit gerät unsere Demokratie aus der Balance“. Die Technologiekonzerne lehnten ihre Verantwortung für den Schutz der Fakten offensiv ab.

 

Welte fordert einen neuen gesellschaftspolitischen Konsens: Die Politik müsse anerkennen, dass Verlage „die verlässlich informierende Infrastruktur in diesem Land“ seien – und entsprechend Verantwortung übernehmen. Er appelliert an seine Nachfolger: „Mein besonderer Dank und mein Respekt gelten jenen, die bereit sein werden, diesen wichtigen Platz an der Werkbank der Kommunikation einzunehmen.“

 

 

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