Berlin – Kann künstliche Intelligenz Journalistinnen und Journalisten besser machen? Oder verändert sie das journalistische Handwerk auf eine Weise, die langfristig problematisch wird? Darüber diskutieren die freie Medieninnovations-Journalistin Ulrike Langer und der Informationswissenschaftler Jevin West in einem Streitgespräch im „medium magazin“ moderiert von Florian Sturm.
Langer beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit Journalismus und Medienwandel. Sie nutzt Claude unter anderem für Recherchen, Analysen und Rohfassungen ihrer Texte. West ist Professor an der University of Washington und Mitgründer des Center for an Informed Public. Er bezeichnet große Sprachmodelle als „Bullshit Machines“, weil sie überzeugende Antworten liefern können, ohne selbst zwischen Wahrheit und Unwahrheit zu unterscheiden. Zwei Auszüge aus dem Streitgespräch:
Darf KI journalistische Texte schreiben?
Interessiert es Sie als Leser, ob die Sätze von einer Journalistin oder einer KI stammen?
West: Ja. Hier gehen die Ansichten von Ulrike und mir vermutlich stärker auseinander. Ich verwende KI nicht zum Schreiben, weil Schreiben für mich der Moment ist, in dem ich herausfinde, was ich eigentlich denke. Wenn ich etwas nicht klar formulieren kann, habe ich meist auch die Methode, die Analyse oder den Kontext noch nicht klar genug verstanden. Wenn sich KI in diesen Prozess schiebt, beeinflusst das mein Denken.
Verlernen junge Journalisten durch KI das Schreiben?
Liegt die eigentliche Trennlinie also weniger bei der KI als bei der Erfahrung?
West: Erfahrung spielt eine zentrale Rolle. Ich sehe bei Studierenden viele KI-generierte Texte. Sie sind oft formelhaft. Die menschliche Stimme und Perspektive verschwinden darin sehr schnell. Erfahrene Autor hatten Zeit, ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Studierende dagegen greifen womöglich zu früh zur KI – bevor sie überhaupt gelernt haben, gutes von schlechtem Schreiben zu unterscheiden. In dieser Phase lernen sie auch zu denken. Deshalb halte ich es für wichtig, dass sie selbst schreiben.
Langer: Das sehe ich ähnlich. Wer als angehende Journalistin sehr stark auf KI setzt, entwickelt womöglich nie die Fähigkeiten, die man braucht, um gute von schlechten Ergebnissen unterscheiden zu können. Das ist wie beim Rechnen: Es gibt einen Grund, warum Kinder zuerst im Kopf und mit Stift und Papier rechnen, bevor sie einen Taschenrechner in die Hand bekommen.
Das vollständige Streitgespräch über den Einsatz von KI beim Recherchieren und Schreiben, die Verantwortung für journalistische Inhalte und die Zukunft des Berufs lesen Sie im „medium magazin“.
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Ulrike Langer (Foto: Kevin Payravi)