Essen – Alexander Lenders zieht sich von der Spitze des Bundesverbands kostenloser Wochenzeitungen (BVDA) zurück. Seit 2012 stand er an der Spitze des Verbands, zunächst als Präsident und seit einer Strukturreform 2025 als Vorsitzender.
Im Interview mit turi2-Chefredakteur Markus Trantow zieht Lenders Bilanz. Er spricht über die wirtschaftliche Lage der kostenlosen Wochenzeitungen, die Rückkehr mancher Händler zur gedruckten Prospektwerbung und die Frage, welche journalistischen Aufgaben Anzeigenblätter übernehmen können.
Drei Fragen und Antworten aus dem Interview:
Bei den steigenden Kosten für Papier, Energie und Mindestlohn – wie rentabel ist es eigentlich noch, deutschlandweit Woche für Woche kostenlose Zeitungen zu verteilen?
Alexander Lenders: Sonst würden wir es doch nicht machen: Das ist schon noch rentabel. Das sehen Sie allein daran, dass es in ganz Deutschland in jedem Landkreis mindestens eine kostenlose Wochenzeitung gibt. Aber Sie sprechen das Richtige an: Wir haben eher ein Kosten- als ein Einnahmeproblem. Der aufwendigste Posten ist für uns mit weitem Abstand die Zustellung. Durch steigende Arbeitgeberkosten und den Mindestlohn ist die Zustellung der entscheidende Faktor. Die Politik hat uns in der Vergangenheit viel versprochen. Passiert ist wenig. Im Endeffekt kommen sogar neue Belastungen hinzu, die uns schaden.
Das heißt, der Print-Prospekt feiert eher ein Comeback, als dass er verschwindet?
Absolut. Einige Händler kehren auch bewusst zu einem guten Mix aus Print und Digital zurück. Und dadurch, dass einige Akteure vom Markt verschwunden sind, erleben manche unserer Verlage gerade den absoluten Peak in ihrer Geschichte, was Beilagenumsatz und Stückzahlen angeht. Wir sind als kostenlose Wochenzeitungen gemeinsam mit den Prospekten eines der letzten echten Massenmedien.
Sie haben die Lokalität angesprochen: Wenn sich Abo-Tageszeitungen mancherorts aus der Fläche zurückziehen, müssen die kostenlosen Wochenblätter dann publizistisch in die Bresche springen?
Eine kostenlose Wochenzeitung ersetzt keine Abo-Tageszeitung. Zugleich leisten wir für viele Menschen die Grundversorgung im lokalen Raum. Zwischen den Titeln gibt es qualitativ große Unterschiede, das muss man ehrlich sagen. Einige Blätter sind stark verwurzelt, andere agieren eher als reine Trägermedien für Prospekte. Aber viele von uns bieten bewusst diese sublokale inhaltliche Orientierung.
Das vollständige Interview von Markus Trantow mit Alexander Lenders ist bei turi2 erschienen. Es ist Teil der Themenwoche „Anzeigenblätter – Reichweite und gesellschaftliche Teilhabe“.
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Alexander Lenders (Foto: BVDA / Bernd Brundert)