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KI für mehr Lokaljournalismus: Wie die „Nürnberger Presse“ ihre Redaktion umbaut

KI für mehr Lokaljournalismus: Wie die „Nürnberger Presse“ ihre Redaktion umbaut Michael Husarek (Foto: Sabine Freudenberger)

Die Verlag Nürnberger Presse setzt auf KI und Automatisierung, um redaktionelle Abläufe effizienter zu gestalten und den Lokaljournalismus zu stärken. Chefredakteur Michael Husarek erklärt die Strategie und die wichtigsten neuen Werkzeuge der Redaktion.

Nürnberg – Der  Verlag Nürnberger Presse setzt bei ihrer digitalen Transformation auf Automatisierung und künstliche Intelligenz. Ziel sei es, Routinetätigkeiten zu reduzieren und mehr Ressourcen für den lokalen Journalismus freizumachen. Nach Angaben von Chefredakteur Michael Husarek sollen die Lokalteams trotz wirtschaftlicher Herausforderungen nicht verkleinert werden. Stattdessen sollen KI-gestützte Prozesse dazu beitragen, wieder mehr lokale Inhalte für Zeitung, E-Paper und digitale Kanäle zu veröffentlichen.

 

Ein zentrales Element ist ein Upload-Tool, über das Vereine und freie Mitarbeitende ihre Texte einreichen und mithilfe von KI optimieren können. Die Beiträge werden anschließend von der Redaktion geprüft und freigegeben. Darüber hinaus setzt der Verlag auf eine automatisierte Seitenproduktion, die nach festen Layoutregeln arbeitet. Husarek erläutert im Interview mit Henning Kornfeld im aktuellen „kress pro“ die Hintergründe der Strategie. Die drei wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

 

Der Verlag Nürnberger Presse hat eine Mitteilung über die Automatisierung redaktioneller Prozesse mit „Renaissance des Lokalen“ überschrieben. Darin beschreibt er, wie Sie in der Redaktion mit Hilfe von KI effizienter arbeiten und den Produktionsaufwand reduzieren. Wieso ist das eine „Renaissance des Lokalen“?

Wie viele andere Redaktionen von Regionalverlagen auch sind wir seit geraumer Zeit mit dem Thema Personalabbau konfrontiert. Die wirtschaftliche Lage ist schlicht nicht so, dass die Redaktionen wachsen – im Gegenteil: Sie schrumpfen. Wegbrechende Werbeerlöse tun ihr Übriges. Dass wir sparen müssen, ist also alternativlos, die Frage ist aber, wie wir das tun. Wir haben uns in der Chefredaktion entschieden, dass wir Effizienzen heben wollen, unsere Lokalteams aber keinesfalls kleiner werden sollen. Von einer „Renaissance des Lokalen“ sprechen wir, weil wir durch Automatisierungsprozesse und durch KI-Unterstützung wieder deutlich mehr lokale Texte für die Zeitung, das E-Paper und unsere übrigen digitalen Ausspielkanäle anbieten können als bisher.

 

 

Wie funktioniert das KI-gestützte Upload-Tool für Vereine und freie Mitarbeitende?

Vereine, aber auch freie Mitarbeitende liefern ihre Texte über das Upload-Tool an und optimieren sie mittels KI. Die Themenmanagerinnen und -manager der Lokalausgaben nehmen diese Texte ab und geben sie frei – es erscheint nichts ohne redaktionelle Abnahme. Alle anderen in der Redaktion sind als crossmediale Reporterinnen und Reporter tätig und sorgen für eigene Geschichten. Diese Arbeitsweise hat einen weiteren Vorteil: Zu unserer Überraschung hat sich gezeigt, dass die Vereinsberichterstattung auch digital absolut Sinn ergibt. Wir veröffentlichen solche Berichte auf unseren Ortsseiten und erzielen damit zwar keine Conversions, aber gute Zugriffszahlen. Ich erkläre mir das damit, dass die Menschen wissen möchten, was in ihrer unmittelbaren Umgebung passiert – selbst wenn es sich um sehr kleinteilige Themen wie beispielsweise Probleme bei der Müllabfuhr handelt. Genau deswegen sprechen wir von einer „Renaissance des Lokalen“.

 

… 

 

Führt die automatisierte Seitenproduktion nicht zu einer optisch langweiligen Zeitung?

Der Unterschied zu früher ist, dass wir jetzt unsere Layoutstandards einhalten. Schluss mit Bastelarbeiten auf den Seiten – einfach gut lesbare, nach klaren Designvorgaben gemachte Seiten. Klagen über das Layout unserer Zeitung habe ich in zehn Jahren als Chefredakteur übrigens sehr selten gehört. Kritik gab und gibt es hingegen regelmäßig an der Rechtschreibung. Ein Thema, das wir dank KI und Automatisierung ganz bestimmt auch noch besser in den Griff bekommen werden.

 

Außerdem spricht Michael Husarek im Interview unter anderem darüber:

  • Warum trotz Automatisierung jeder Beitrag vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft wird
  • Welche Rolle die automatisierte Seitenproduktion künftig in der Zeitungsproduktion spielt
  • We der Verlag den redaktionellen Umbau mit neuen Strukturen und Teams verbindet

 

Must-Reads im aktuellen „kress pro“

  • Kluge Strategien für höhere Werbeerlöse. Was Vermarktungsprofis wie Marco Bergmann jetzt empfehlen
  • Plus: Neun Cases, wie Medienhäuser ihr Geschäft in schwierigen Zeiten ankurbeln
  • Warum Vermarktungschefs in Verlagen nicht nur Verkäufer, sondern Architekten transformationsfähiger Organisationen sein müssen. Acht Denkanstöße von Berater Ulf Heyden.
  • „Das E-Paper muss in den nächsten fünf Jahren die entscheidende Rolle für die Transformation spielen“. Wie Jens Wegmann und Paul Wehberg, Geschäftsführer der NOZ/mh:n Medien, das Unternehmen bis 2030 unabhängig von Print machen wollen, welche Rolle sie für Plus-Erlöse dabei sehen und welches Medienhaus sie gerne übernommen hätten
  • Tools. Die nächste KI-Stufe: Magnific und Runway
  • Trends. Kolumne von Innovationsjournalistin Ulrike Langer
  • Ranking. Die wichtigsten digitalen Dienstleister
  • Schluss. Arne Wolter, CEO von Appinio: „Es ist uns schwergefallen, die journalistischen Marken zu transformieren

 

 

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