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„Der gefährlichste Mann Deutschlands“: „Spiegel“ macht Siegmund zum Wahlkampfstar

„Der gefährlichste Mann Deutschlands“: „Spiegel“ macht Siegmund zum Wahlkampfstar Dirk Kurbjuweit (Foto: Der Spiegel)

Das „Spiegel“-Cover mit dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund sorgt für heftige Kritik. Journalisten und Politiker sehen darin eine Wahlkampfhilfe. Wie Chefredakteur Dirk Kurbjuweit die Titelentscheidung verteidigt.

Hamburg – Der „Spiegel“ setzt Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, mit der Zeile „Der gefährlichste Mann Deutschlands“ auf den Titel und sorgt damit für Aufsehen, berichtet turi2Julia Encke, Feuilletonchefin der FAS, schreibt: „Denjenigen, die die Geschichte nicht lesen, könnte der Titel wie ein Werbeplakat entgegenkommen.“ Man könne „potentiellen Wählern nicht vorwerfen, wenn ihnen die Fahndungsfoto-Inszenierung wie ein Witz erscheint“ angesichts des von Siegmund kuratierten und vermeintlich harmlosen Volksnähe-Images, das das Cover nicht aufgreife. Dem Magazin hätte ihr zufolge klar sein müssen, „dass ein Fahndungsplakat Siegmund zugleich zur ‚Most Wanted Person‘ stilisiert“.

 

Willi Winkler wird in der „Süddeutschen Zeitung“ zynisch: „Die Leute wollen Menschen sehen, keine Politiker, und das haben sie jetzt auch beim ,Spiegel‘ verstanden. Diese Woche neu: Faschismus mit menschlichem Antlitz.“ Ex-Herausgeber Ulf Poschardt argumentiert bei „Welt“ mit einer anderen Haltung gegen die „Spiegel“-Geschichte als „absoluten Tiefpunkt journalistischer Ethik“. Für ihn ist „diese Art von Antifa-Hysterie der Untergangsgesang einer journalistischen Realität, die den Kontakt zu den Menschen und der Gesellschaft verloren hat“.


„Spiegel“-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit rechtfertigt am Sonntagmorgen im Newsletter die Auswahl Siegmunds: „Relevanz ist unser oberstes Kriterium, nicht die Frage, wem eine Titelgeschichte nützt oder schadet.“ Das Magazin leide „nicht an der Hybris zu glauben, dass wir mit unserem Journalismus Wahlergebnisse beeinflussen können“. Er beruft sich auf das Rudolf-Augstein-Motto „Sagen, was ist“, das auch für das Cover gelte.

 

Zuvor hatte ihn etwa Ex-Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch angegriffen. Für ihn ist das Cover „unverantwortlich. Und das geht an die Chefredaktion in Hamburg, die weit weg ist von Sachsen-Anhalt.“ Er sieht eine „Wahlkampfhilfe für die AfD“ – eine Einordnung, die Siegmund teilt, der gegenüber „Welt“ von „sehr guter Werbung“ spricht. Ulrich Siegmund hat zudem ein Video verbreitet, in dem er „Spiegel“-Ausgaben signiert.

 

 

 

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