Berlin – Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) warnt vor der systematischen Ermittlung und Speicherung privater Wohnanschriften von Journalistinnen und Journalisten. Anlass sind die sogenannten AfD-Leaks, durch die bekannt wurde, dass die Partei persönliche Daten von Medienschaffenden gespeichert haben soll.
Wie der DJV mitteilt, sollen sich darunter Hunderte Kopien von Presseausweisen mit Privatadressen befinden, die über mehrere Jahre erfasst wurden. Der Verband verlangt Aufklärung darüber, zu welchen Zwecken und wie lange die Daten gespeichert wurden, wer darauf zugreifen konnte und welche Folgen sich für die Betroffenen ergeben.
„Das Ausforschen von Privatanschriften kann die Sicherheit von Medienschaffenden gefährden und eine abschreckende Wirkung auf die freie Berufsausübung entfalten“, erklärt DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster. Wenn Journalistinnen und Journalisten befürchten müssten, dass ihnen Unbekannte aufgrund ihrer Recherchen bis vor die Haustür nachspürten, beeinträchtige das ihre Arbeit.
Privatadresse eines ZDF-Reporters im Visier
Nach Angaben des DJV geht aus den veröffentlichten Dokumenten außerdem hervor, dass bei einer presserechtlichen Auseinandersetzung die Ermittlung der Privatanschrift eines ZDF-Reporters erwogen wurde. Die beteiligte Rechtsanwaltskanzlei habe auf der Plattform X bestätigt, dass sie Privatadressen von Medienschaffenden recherchieren lasse.
„Der Einsatz von Privatdetektiven zur Adressermittlung ist fragwürdig, insbesondere wenn andere Zugangswege offenstehen“, kritisiert Beuster.
Besonders problematisch sei die gezielte Suche nach Wohnanschriften von Journalistinnen und Journalisten, die ihre privaten Daten aus Sicherheitsgründen verbergen. Melderechtliche Auskunftssperren sollen gefährdete Personen vor Nachstellungen und Bedrohungen schützen.
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