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Newsroom – Georg Taitl

David Schraven warnt vor KI und dem „Raubmordkopier-Effekt“

David Schraven warnt vor KI und dem „Raubmordkopier-Effekt“ David Schraven (Foto: BVDA/Bernd Brundert)

Der Correctiv-Gründer sieht die wirtschaftliche Unabhängigkeit journalistischer Medien durch Plattformen und Künstliche Intelligenz bedroht. Warum er gerade für lokale Medien aber große Chancen sieht.

Essen – David Schraven hat bei der Jahrestagung des Bundesverbands kostenloser Wochenzeitungen (BVDA) vor den Folgen des Einsatzes Künstlicher Intelligenz für journalistische Geschäftsmodelle gewarnt. Wie der Verband mitteilt, sieht der Correctiv-Vertreter die Medienbranche in einer wachsenden Abhängigkeit von sozialen Netzwerken und großen Technologieplattformen.

 

Seine These: Traditionelle Medien werden durch Social Media zunehmend von ihrem Publikum abgeschnitten. Mit dem Versprechen, eine „immer noch tollere Reichweite zu kriegen“, hätten Plattformen die Medienhäuser dazu gebracht, viel Geld in soziale Netzwerke zu investieren, ohne dass entsprechende Erlöse zurückflössen.

 

„Früher wurden wir ‚raubkopiert‘ von den sozialen Medien, zugegeben mit unserer Mithilfe. Heute werden wir ‚raubmordkopiert‘“, kritisierte Schraven.

 

KI gefährdet den direkten Kontakt zum Publikum

Nach Schravens Einschätzung verlieren Medienunternehmen zunehmend die Möglichkeiten, ihre Nutzerinnen und Nutzer unmittelbar zu erreichen. Als Beispiel nannte er Messengerdienste, deren Betreiber Telefonnummern durch Nutzernamen ersetzten. Dadurch gehe ein bisheriger direkter Kontaktweg verloren.

 

Ähnliche Risiken sieht Schraven bei Newslettern. Sie seien für viele Medien ein wichtiger Zugang zum Publikum, weil sie auf E-Mail-Adressen basierten. Nun könnten KI-Systeme die Inhalte automatisch zusammenfassen, sodass die ursprünglichen Newsletter nicht mehr unmittelbar bei den Empfängern ankämen.

 

„Jetzt macht die KI aus den Newslettern Zusammenfassungen und verhindert damit, dass wir unsere Information direkt an unsere Nutzer bringen können“, sagte Schraven. Die Folge seien sinkende Öffnungsraten und geringere Erlöse.

 

Schraven sieht Chancen für lokale Medien

Als verbleibenden direkten Zugang zum Publikum bezeichnete Schraven die Postadressen der Haushalte. „Das letzte, womit wir arbeiten können, sind die Postadressen der Haushalte. Die kann uns keiner nehmen“, sagte er.

 

Darin sieht er Chancen für lokale Medien. Statt weiter Geld in große Plattformen zu investieren und sich deren Algorithmen anzupassen, sollten Medienhäuser ihre ursprüngliche Funktion stärken und vor Ort Erlebnisse und Gemeinschaft schaffen.

 

„Wenn wir relevante Themen auf interessante Art und Weise für ein Publikum erlebbar machen, passieren Dinge“, sagte Schraven.

 

Wiebke Möhring betont Bedeutung des Lokaljournalismus

Bei der BVDA-Jahrestagung beschäftigte sich auch die Medienwissenschaftlerin Wiebke Möhring von der TU Dortmund mit der Rolle lokaler Nachrichten. Sie verwies auf Untersuchungen, nach denen die Nutzung lokaler Medien positiv mit sozialer Integration und zivilgesellschaftlichem Engagement zusammenhänge.

 

Lokaler Journalismus informiere über kommunale Politik, kontrolliere öffentliches Handeln und stärke damit die Demokratie vor Ort. Fehle eine lokale Berichterstattung, könnten nach wissenschaftlichen Studien die Qualität der Informationen und das gesellschaftliche Zusammengehörigkeitsgefühl leiden.

 

 

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