Leute
DAPD

MDR-Intendantin nennt ihre Wahl "Beispiel für Zivilcourage"

Karola Wille steht zu ihrer DDR-Vergangenheit.

Leipzig (dapd-lsa). Die Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks, Karola Wille, hat ihre Wahl im vergangenen Oktober als ein "Beispiel für Zivilcourage" der beteiligten Gremien bezeichnet. "Ich denke, da ist ein Stück Rundfunkgeschichte geschrieben worden", sagte Wille laut einem vorab veröffentlichten Gespräch mit der am Donnerstag erscheinenden Wochenzeitung "Die Zeit".

Wille bezog sich mit ihrer Äußerung darauf, dass zuvor der von der Sächsischen Staatskanzlei favorisierte frühere Chefredakteur der "Leipziger Volkszeitung", Bernd Hilder, nicht zum MDR-Intendanten gewählt wurde. Er galt als zu regierungsnah. Dennoch war er zunächst aufgestellt worden. Der Rundfunkrat des Senders verweigerte ihm dann jedoch seine Zustimmung.

Wille erklärte, dieser Vorgang könne im deutschen Mediensystem Signalwirkung entfalten. "Gerade entscheidet das Bundesverfassungsgericht, ob die Ablösung des damaligen ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender verfassungskonform war - auch da geht es um politische Einflussnahme auf den Sender", verwies die 52-Jährige auf ein aktuelles Beispiel. "Ich bin gespannt, ob das Aufbäumen der MDR-Gremien im Prozess zur Sprache kommen wird."

Zugleich verteidigte Wille in dem Interview ihre juristische Karriere in der DDR. "Ich bin keine Juristin mit zweifelhafter Vergangenheit". Es habe sie überrascht, wie pauschal sie verurteilt worden sei, sagte die Intendantin mit Blick auf die Berichterstattung über ihren Lebenslauf im Vorfeld der Intendantenwahl. "Ich finde, jeder der einst 17 Millionen DDR-Bürger hat das Recht auf eine historische und differenzierte Betrachtung seiner Biografie", unterstrich Wille.

SED-Eintritt als Folge der Erziehung

Dass sie im Alter von 18 Jahren in die SED eingetreten sei, begründete Wille mit ihrer Erziehung. "Ich komme aus einem Elternhaus, das dieses System mitgetragen hat. Ich habe wirklich geglaubt, die Ideale des Sozialismus seien die richtigen", sagte die MDR-Chefin nach Angaben der "Zeit". "Ich war keine Oppositionelle - ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich sei immer gegen das System gewesen."