Leute
Newsroom

Lebenswerk-Ehrung für Journalisten-Ausbilder Peter Linden

Lebenswerk-Ehrung für Journalisten-Ausbilder Peter Linden newsroom-Verleger Johann Oberauer und Peter Linden (r., Foto: Medienfachverlag Oberauer)

Linden hat in St. Moritz 750 Journalistinnen und Journalisten ausgebildet. Beim Festakt überreichte ihm Verleger Johann Oberauer eine Lebenswerk-Auszeichnung.

St. Moritz – Wer am Pfingstsamstag nach dem Festakt im Scala Cinema zurück ins Hotel Waldhaus am See spazierte, hatte die Pracht von St. Moritz beinahe für sich allein. Von der Via Maistra über die Via Serlas und weiter zum Hauptbahnhof. Hellbeleuchtet erscheinen die Schaufenster von Prada, Louis Vuitton, Bulgari, Gucci und all die anderen, die sonst nur in der Züricher Bahnhofstraße so verführerisch locken. Doch auf den mehr als 1.800 Höhenmetern ist in der Zwischensaison kaum jemand, um all die Begehrlichkeiten zu bewundern.

 

Wenn im Frühjahr oder im Herbst die letzten Tagesgäste den Zug Richtung Landquart und weiter nach Zürich bestiegen haben, gehört St. Moritz nur den Einheimischen sowie den Bauarbeitern, die bereits die nächste Saison vorbereiten. Dazu kommen, stets um den 1. November herum, zwei Dutzend Journalistinnen und Journalisten, die hier unter der Anleitung von Peter Linden Reportagen und Porträts recherchieren, schreiben und gemeinsam redigieren. Seit 30 Jahren geht das nun schon so. Touristen weg, Journalisten da.

 

30 Jahre, in denen sich Linden ein Netzwerk aufgebaut hat, das in der Journalistenausbildung beispiellos ist. Wenn er oder seine Schützlinge Themen oder Protagonisten suchen, helfen die lokale Presse und die Bergbahnen, es helfen Polizei, Tourismus AG, Hoteliers, Pfarrer, Künstler oder Handwerker – kurzum beinahe der ganze Ort macht mit.

 

Und dann ist da natürlich das Hotel Waldhaus am See, das anders als viele andere 365 Tage im Jahr geöffnet bleibt und deshalb Platz bietet für die jährlichen Journalistenkurse. 750 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich wegen der Kurse ins Gästebuch eingetragen und so mancher danach auch ganz privat in den Ferien. Direkt am Seeufer und inmitten der Bündner Dreitausender (sowie einem Viertausender) Peter Lindens Rezepte fürs kreative Schreiben kennen zu lernen, das hat offensichtlich seinen Reiz. 

 

Warum er Journalist geworden ist? Und warum gar Ausbildner für Journalisten? Keiner fragt an diesem Abend, vielleicht, weil die meisten seinen Werdegang ohnehin kennen: Lehrer in Paris, Sportredakteur bei der Süddeutschen Zeitung, Referent bei Journalistenschulen, Verlagen und Unternehmen in fast ganz Europa. Und: Spieleerfinder. Aber das ist eine ganz eigene Geschichte.

 

Im Scala Cinema erzählte der Münchner lieber, wie er und seine Teilnehmer Protagonisten und Geschichten entdecken, die das weltberühmte, klischeebehaftete St. Moritz in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Ganz oben auf seiner Liste stehen gelangweilte Kantonspolizisten, die in der toten Saison mit fingierten Anrufen die benachbarten Ortspolizisten in die Irre führen. Eine hervorragende Reportage ließ sich auch über die Standseilbahn Corvatsch schreiben, als diese bei Revisionsarbeiten absichtlich von Volltempo auf Vollbremsung gesetzt wurde. Bei diesem vorgeschriebenen Test ist normalerweise nur der Zugführer im Wagen. Doch eine von Lindens Seminarteilnehmerinnen durfte ausnahmsweise mitfahren mit. Immer wieder einmal verbringt auch ein Kursteilnehmer eine ganze Nacht mutterseelenallein in einem geschlossenen und stockfinstren Nobelhotel. Dieses um Mitternacht mit der Taschenlampe Zimmer für Zimmer zu erkunden, ist Teil der Aufgabe. Eine Mutprobe, die in ganz besondere Reportagen mündet. 

 

Ich habe keinen besseren Platz für meine Kurse gefunden und später auch keinen mehr gesucht“, sagte Peter Linden bei dem Festakt, den Carmen Baumann von der St. Moritz Tourismus AG moderierte. Als Ehrengast war Tamedia-Chef Piedro Supino gekommen, auch Reportagen-Chef Daniel Puntas saß im Publikum, dessen Frau Rocio einst den Kurs „Storytelling“ absolvierte. Sie und andere Teilnehmende aus all den Jahren trugen Auszüge aus ihren Erstlingswerken vor, die, zusammengeführt in einem Band, ein höchst originelles Ortsporträt ergeben würden.

 

Zum Abschluss des launigen Abends kam newsroom-Verleger Johann Oberauer auf die Bühne, in der Hand eine Urkunde. „Auszeichnung für ein Lebenswerk“ stand am eingerahmten Papier. „Du hast hier in St. Moritz über die vielen Jahre 750 Kerzen angezündet, die heute in großen und kleinen Medienhäusern leuchten, dafür gebührt dir Dank und Anerkennung“, sagte Oberauer. Mit dieser Auszeichnung würdigte er zugleich das publizistische Wirken von Linden. In ebenfalls 30 Jahren hat Linden 30 Journalisten-Werkstätten im Medienfachverlag Oberauer geschaffen. „30 grandiose Anleitungen für journalistisches Besserwerdenwollen“, nannte sie Oberauer. Von „Wie Wörter wirken“ 1996 bis „Sensible Sprache“ 2026 - kein Autor hat ein derart umfassendes Werk abgeliefert und damit Journalistinnen und Journalisten in Deutschland, Österreich und in der Schweiz zu einem professionelleren Einsatz der eigenen Sprache motiviert.

 

Die gute Nachricht zum Schluss: Das Fest in St. Moritz war „nicht die Beerdigung" (Linden). Ende Oktober geht es mit den nächsten Schreibkursen weiter: „Creative Storytelling“ und „Sensibel redigieren“ im Waldhaus am See. Anmeldungen sind bereits möglich.

 

 


Sie möchten aktuelle Medien-News, Storys und Praxistipps lesen – und sich über Jobs, Top-Personalien und Journalistenpreise aus Deutschland informieren? Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter.

 

Sie haben Personalien in eigener Sache oder aus Ihrem Medienhaus? Oder ist Ihnen in unseren Texten etwas aufgefallen, zu dem Sie sich mit uns austauschen möchten? Dann senden Sie Ihre Hinweise bitte an georg.taitl@oberauer.com.