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Berufliche Zukunft nicht aufschieben

Berufliche Zukunft nicht aufschieben Attila Albert

Karrierecoach Attila Albert erklärt, warum gerade Haupt- und Alleinverdiener kontinuierlich in ihre berufliche Zukunft investieren sollten.

Berlin – Es gehört zu den klassischen Empfehlungen für beruflichen Erfolg, dass man sich dafür auf ausgewählte Ziele konzentrieren müsse. Das klingt logisch und einfach: Prioritäten setzen und auf deren Umsetzung fokussieren. Allerdings stellen die meisten Medienprofis im Laufe der Zeit fest, dass ihnen dabei sowohl das redaktionelle Alltagsgeschäft als auch das Leben generell (z. B. Verpflichtungen gegenüber Partner und Kindern) dazwischenkommen. So kann man sich zwar viel vornehmen, hat aber häufig weder die Zeit noch die Nerven dafür, sich näher mit dem zu beschäftigen und umzusetzen, was langfristig wichtig wäre.

 

Dazu gehört, sich am Arbeitsplatz regelmäßig Projekte bzw. Themen zu suchen, mit denen man sich intern profilieren und seine Sichtbarkeit in der Branche erhöhen kann. Auch substantielle Weiterbildungen – also mehr als kurze Anwenderkurse – sowie die Pflege und der Ausbau von Branchenkontakten (Netzwerken) kommen immer wieder zu kurz. Das ist in der jeweiligen Situation verständlich: Die aktuelle Produktion geht vor, auch wenn sie weitgehend Routine ist; danach einkaufen, die Kinder abholen, etwas kochen, noch einige E-Mails beantworten, obwohl man eigentlich zum Sport wollte.

 

So verfliegen die Tage, Wochen und Monate, und an den freien Tagen und im Urlaub will man sich auch einmal entspannen und mit etwas anderem beschäftigen. Langfristig verliert man so aber seine größeren Ziele aus dem Blick – und auch den Anschluss in der hochdynamischen Medienbranche. Gerade denjenigen, die seit vielen Jahren beim selben Arbeitgeber sind, fällt das häufig selbst erst auf, wenn sie sich neu bewerben wollen oder müssen. Sie wissen nicht genau, wie woanders gearbeitet wird, wer dort ein guter Ansprechpartner wäre, wie bestimmte digitale Plattformen und Werkzeuge (inklusive KI) genutzt werden – oder überhaupt, wie Bewerbungsunterlagen heute aussehen sollten.

 

Längere Lebensarbeitszeit einplanen

Die Vereinbarkeit der unterschiedlichen Lebensbereiche, Anforderungen und Wünsche ist nie einfach und gelingt keinem perfekt. Es wäre auch kein realistischer Anspruch, alles gleichermaßen zu schaffen und für jeden gleichermaßen da sein zu wollen. Für Haupt- und Alleinverdiener sollte jedoch der Beruf als materielle Existenzgrundlage ein zentrales Element in ihrer Lebensplanung darstellen. Das schließt die praktische Vorsorge dafür ein, auch zukünftig beruflich gefragt zu sein. Für Fach- und Führungskräfte ist ein hohes Engagement – immer zulasten anderer Lebensbereiche – sowieso selbstverständlich. 

 

Wegen der laufenden Erhöhung des Renteneintrittsalters auf inzwischen 67 Jahre (ab Geburtsjahrgang 1964) braucht es heute auch jenseits der Lebensmitte noch eine berufliche Perspektive. Gleichzeitig eröffnen sich in dieser Lebensphase in vielen Fällen neue Möglichkeiten, weil beispielsweise die Kinder ausziehen – manchmal auch, weil sich die Lebensumstände durch eine Trennung o. Ä. ändern. So ist das durchschnittliche Alter bei einer Scheidung inzwischen deutlich gestiegen – in Deutschland auf 45 Jahre für Frauen, auf 48 Jahre für Männer –, was spätere Anpassungen nach sich zieht.

 

Zeit einplanen, Ressourcen umschichten

Wer große Lebensziele angehen will, sollte nicht darauf warten, dass „später einmal“ mehr Zeit und Ruhe dafür sein werden oder auf Sabbaticals o. Ä. setzen, sondern bereits jetzt feste Zeiten dafür einplanen. Beispiel: Jede Woche eine Stunde, z. B. freitagnachmittags, im Kalender für die berufliche Weiterentwicklung reservieren. In dieser Zeit lassen sich schrittweise das LinkedIn-Profil und die Bewerbungsunterlagen aktualisieren, Stellenanzeigen sichten, Bewerbungen verschicken, Branchenkontakte pflegen. Eine Stunde, die man ansonsten irgendwie verbracht hätte, bewegt dann etwas.

 

Ebenso sollte man nicht darauf setzen, dass die Umstände später einmal einfacher werden, sondern seine aktuell vorhandenen Ressourcen – Zeit, Geld, Aufmerksamkeit – ein wenig umschichten, anstatt darauf zu hoffen, dass sie irgendwann einmal mehr werden. Beispiel: In einem Jahr auf den regulären Urlaub verzichten, dafür zwei bis vier Urlaubswochen für eine Weiterbildung (z. B. Business-Englisch im Ausland, BWL-Modul, KI-Intensivtraining) nutzen. Anders als bei einer touristischen Reise lassen sich die Kosten dafür zudem im Normalfall steuerlich absetzen, gleichzeitig können auch intellektuelle Anregungen, interessante Erlebnisse und gleichgesinnte neue Freunde erholend wirken.

 

Auch andere langfristig wichtige Lebensziele – einen Nebenerwerb aufbauen, sportlicher werden, jemanden kennenlernen – lassen sich mit diesem Ansatz eher erreichen: Überschaubare, aber feste Zeiten dafür einplanen, vorhandene Ressourcen umschichten, anstatt auf bessere Umstände zu warten, dafür auf weniger Wichtiges verzichten. Das überfordert kurzfristig ein wenig Überwindung, motiviert aber durch die Sicherheit, sich um das Wesentliche zu kümmern. Zudem sind die Aussichten auf Erfolg ungleich höher, wenn man endlich aktiv wird, anstatt weiter abzuwarten.

 

Zur vergangenen Kolumne: Wie sich Medienprofis erfolgreich positionieren

 

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.

www.media-dynamics.org 

 

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