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„Washington Post“ baut massiv Stellen ab – Kritik an Eigentümer Jeff Bezos wächst

Ein drastischer Personalabbau erschüttert die traditionsreiche US-Zeitung. Nationale Medien berichten über Entlassungen, interne Proteste und eine grundsätzliche Debatte über Führung, Strategie und Zukunft der „Washington Post“.

Washington – Die US-Zeitung „Washington Post“ steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Wie die „Associated Press“ berichtet, trennt sich das Blatt von rund einem Drittel seiner Belegschaft. Betroffen sind demnach mehr als 300 Stellen in Redaktion und Verwaltung, darunter das Sportressort, Teile der Auslandsberichterstattung sowie die Buchredaktion. Die Kürzungen zählen zu den größten Einschnitten in der Geschichte der Zeitung.


Die Maßnahmen haben auch eine Debatte über die Rolle von Eigentümer Jeff Bezos ausgelöst. Wie der „New Yorker“ analysiert, sehen frühere Führungskräfte und Medienbeobachter in der aktuellen Krise eine Folge strategischer Fehlentscheidungen seit der Übernahme durch Bezos im Jahr 2013. In dem Beitrag wird argumentiert, dass Wachstumserwartungen, Managementwechsel und ein zunehmender Sparkurs die journalistische Substanz der „Washington Post“ geschwächt hätten.

 

Unmut regt sich auch innerhalb der Redaktion. Wie „Fox News“ berichtet, haben sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in internen Schreiben direkt an Bezos gewandt und ihn aufgefordert, die Entlassungen zu stoppen und stärker Verantwortung für die Zukunft des Blattes zu übernehmen. Demnach befürchten viele, dass die Zeitung ihre Rolle als einflussreiches nationales Leitmedium verlieren könnte.

 

Noch schärfer fällt die Kritik in einem Essay im Magazin „The Atlantic“ aus. Dort ist von einem „Niedergang“ der „Washington Post“ die Rede, der nicht nur wirtschaftliche, sondern auch publizistische Folgen habe. Der Personalabbau werde als Einschnitt beschrieben, der die Identität und den Anspruch des traditionsreichen Hauses nachhaltig beschädigen könne.

 

Die „Washington Post“ selbst verweist auf wirtschaftlichen Druck und strukturelle Veränderungen im Medienmarkt. Kritiker hingegen sehen in den Kürzungen ein Signal, das weit über das einzelne Medium hinausweist – und Fragen nach der Zukunft großer, privat finanzierter Qualitätszeitungen in den USA aufwirft.

 

 

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