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Newsroom – Markus Wiegand

Warum Funke bei Zeitschriften weiter auf Einkaufskurs sein könnte

Warum Funke bei Zeitschriften weiter auf Einkaufskurs sein könnte Thomas Rabe (Foto: IMAGO / BREUEL-BILD)

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hält an der Digitalstrategie des „Stern“ fest. Gleichzeitig stärkt Funke mit „Brigitte“ und „Gala“ sein Magazingeschäft – und könnte laut Branchenbeobachtern noch nicht am Ende seiner Einkaufstour sein.

Hamburg – Im März vergangenen Jahres hatte die Funke Mediengruppe die ehemaligen Gruner+Jahr-Titel „Brigitte“, „Gala“ und „Eltern“ (digital) von der RTL-Gruppe gekauft. Der Geschäftsbericht der RTL Group notiert für das Jahr 2025 einen Sondereffekt von 43 Millionen Euro, der vor allem auf den Verkauf des Verlagsgeschäfts G+J Women, People & Family durch RTL Deutschland zurückzuführen sei.

 

Der größte Batzen des Deals entfällt auf die immer noch stolzen Marken „Brigitte“ (Abo-Auflage 4/2024: 95.000) und „Gala“ (Abo-Auflage 4/2024: 34.000). „Brigitte“ meldete 2024 immerhin Bruttoanzeigenerlöse von 65,4 Millionen Euro, „Gala“ von 41,9 Millionen, zusammen also 107,3 Millionen Euro. Profis rechnen allerdings nur noch mit einem Netto-Faktor von rund 20 Prozent, schreibt Chefredakteur Markus Wiegand im aktuellen „kress pro“. Zusammen mit den Vertriebserlösen lag der Umsatz grob geschätzt für beide Titel gerade noch im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

 

Bei Funke hat man viel Freude an den Neuzugängen und ist sicher, dass man nicht zu viel Geld auf den Tisch gelegt hat.

 

Ganz unabhängig davon werten die Titel die Zeitschriftenpalette des Hauses deutlich auf und unterstreichen den gesellschaftlichen Anspruch von Verlegerin Julia Becker, die Mitte vergangenen Jahres ihre Yellows an Klambt abgestoßen hat.

 

In den vergangenen Jahren ist Funke interessanterweise im Zeitschriftengeschäft deutlich aktiver gewesen als im Zeitungsgeschäft. Eigentlich würden der „Stern“, „Geo“ und „Capital“ perfekt zu Funke passen. Besser jedenfalls als zu RTL, das sich auf Streaming und Unterhaltung konzentriert.

 

In der Vergangenheit hatte es Gerüchte gegeben, dass RTL sich von den letzten G+J-Resten trennen könnte. Zuletzt allerdings hatte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe deutlich gemacht, dass man weiter an die 30 Millionen Euro teure Digitalabo-Strategie des „Stern“ glaubt. Für die Branche ist das eine gute Nachricht, weil der scharfe Rechner Rabe in der Vergangenheit nicht dadurch aufgefallen ist, dass er aus Nostalgie an Titeln festgehalten hat, und offenbar glaubt, dass im stagnierenden Digitalabo-Markt Wachstum möglich ist. Bei „Brigitte“ und „Gala“ sah Bertelsmann dagegen keine Wachstumsperspektive. Für Funke heißt das: Man muss erst mal ohne den „Stern“ auskommen.

 

Must-Reads im aktuellen „kress pro“

  • Wie Medien mit Liquid Content die Bedürfnisse ihres Publikums radikal in den Mittelpunkt stellen. Wozu Top-Berater Dmitry Shishkin als Erfinder des User-Needs-Modells jetzt rät 
  • Podcast-Offensive: Wie die Neue Pressegesellschaft ihre Leser mit KI-gestützten Audio-Angeboten zu loyaleren Kunden macht
  • Süddeutsche Zeitung: Wer nach der Neuordnung in der Chefredaktion gut dasteht und wer nicht

 

 

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