Vermischtes
Newsroom – Markus Wiegand

Warum Dieter von Holtzbrinck die „Zeit“ verkauft hat

Warum Dieter von Holtzbrinck die „Zeit“ verkauft hat Dieter von Holtzbrinck (Foto: Sebastian Berger)

Nicht Stefan von Holtzbrinck trieb den Eigentümerwechsel bei der „Zeit“ voran, sondern Dieter von Holtzbrinck selbst. „kress pro“-Chefredakteur Markus Wiegand erklärt die Strategie dahinter.

Heidelberg/Hamburg – Die Nachricht Anfang Juni kam einigermaßen überraschend: Dieter von Holtzbrinck (84) verkauft seinen 50-Prozent-Anteil an der „Zeit“ an seinen Halbbruder Stefan von Holtzbrinck (63), der ab Januar 2027 allein das Sagen hat. „Die mögliche Bündelung der Eigentümerstruktur der Zeit Verlagsgruppe war seit Längerem zwischen den Gesellschaftern vertraglich vorgesehen“, hieß es in der Pressemitteilung.“


Das klang auf den ersten Blick so, als habe Stefan von Holtzbrinck eine Neuordnung der Beteiligungsverhältnisse bei der „Zeit“ angestrebt. Tatsächlich allerdings war Dieter von Holtzbrinck die treibende Kraft, analysiert „kress pro“-Chefredakteur Markus Wiegand. Und Weiter: Er zog eine Option zum Verkauf seiner „Zeit“-Anteile, so schildern es Insider. Der Grund: Der Verleger plant größere Investitionen in die Handelsblatt Media Group und den „Tagesspiegel“, deren Aktivitäten künftig unter dem Namen Holtzbrinck Media gebündelt werden.

 

Holtzbrinck will „gezielt in Technologie, zentrale Wachstumsfelder und neue Geschäftsfelder rund um die journalistischen Marken investieren“, heißt es. „Dazu gehören insbesondere Events, Communitys, Verticals sowie neue digitale Produkte und KI-gestützte Angebote.“ Das Unternehmen plant, „zusätzliche Stellen im mittleren zweistelligen Bereich zu schaffen“.


Die Neuaufstellung des Geschäfts übernimmt Andrea Wasmuth, die bisher die Handelsblatt Media Group geführt hat. Die Managerin, ursprünglich Chefin der überschaubaren Corporate-Publishing-Sparte des Hauses, war 2020 für ihren erkrankten Vorgänger Oliver Voigt eingesprungen und hat seither den Verleger und viele im Haus von sich überzeugt.


Einfach wird ihre Aufgabe nicht. Ohne die „Zeit“, die bisher bei den DvH Medien bilanziert wurde, fehlt ein wichtiger Umsatzbringer, der zuverlässig Gewinne in die Kasse spülte. Für das Jahr 2024 meldete das Unternehmen im „Bundesanzeiger“ einschließlich der Zeit Verlagsgruppe einen Umsatz von 557,8 Mio. Euro und ein operatives Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) von 56,2 Mio. Euro. Wegen des schwächelnden Anzeigengeschäfts fiel das Ergebnis deutlich schlechter aus als erwartet.


Ohne die „Zeit“ hätte das Unternehmen noch einen Umsatz von rund 250 Mio. Euro erreicht. Sorgenkind der Gruppe ist der „Tagesspiegel“, der Defizite im mittleren einstelligen Millionenbereich schreiben soll, heißt es im Umfeld des Unternehmens.


Mit dem Verkauf der „Zeit“-Anteile und den Investitionen beweist Dieter von Holtzbrinck, dass er weiterhin an die Traditionstitel glaubt. Eigentlich hatte er sich schon vor mehr als 20 Jahren aus dem Geschäft zurückgezogen. Der Plan damals: Die verbliebenen Gesellschafter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, Stefan von Holtzbrinck und Monika Schoeller sollten Dieter von Holtzbrinck über mehrere Jahre auszahlen. Es zeigte sich allerdings in den Folgejahren, dass die Finanzkraft des Unternehmens dafür nicht ausreichte, obwohl Georg von Holtzbrinck in weiser Voraussicht verfügt hatte, dass die Anteile nur zur Hälfte des realen Wertes ausgezahlt werden mussten. Daher hatte Dieter von Holtzbrinck 2009 ein überraschendes Comeback als Verleger gegeben und die Verlagsgruppe Handelsblatt, den „Tagesspiegel“ und 50 Prozent der „Zeit“ übernommen.


Zunächst hatte Dieter von Holtzbrinck den Stichentscheid bei der „Zeit“, vor Jahren war die Rolle allerdings an Stefan übergegangen. In früheren Zeiten war das Verhältnis unter den ungleichen Brüdern nicht immer spannungsfrei. Die vergangenen Jahre allerdings und die jüngste Transaktion sollen harmonisch verlaufen sein.


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