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Verlag Nürnberger Presse automatisiert Lokalteile mit KI

Die KI übernimmt weite Teile der Zeitungsproduktion und senkt den personellen Aufwand um rund 90 Prozent. Was das für die Journalistinnen und Journalisten bedeutet.

Nürnberg – Während viele Medienhäuser lokale Angebote reduzieren, will der Verlag Nürnberger Presse (VNP) seine lokale und sublokale Berichterstattung mithilfe von KI-Technologien ausbauen. Das Unternehmen spricht von einer „Renaissance des Lokalen“.

 

„Lokale Inhalte sind für unsere Leserinnen und Leser unverzichtbar – auch wenn sie in der Produktion als besonders aufwendig gelten“, erklärte Armin Jelenik, stellvertretender Chefredakteur der „Nürnberger Nachrichten“. Ziel sei es nicht, lokale Inhalte zurückzufahren, sondern die Produktionsprozesse neu zu organisieren.

 

Im Mittelpunkt steht eine weitgehende Automatisierung der Lokalteile. Registrierte Autorinnen und Autoren wie Vereinsvertreter, Organisationen oder freie Mitarbeitende können Texte und Bilder über ein Upload-Tool einstellen. Eine KI unterstützt dabei nach Angaben des Verlages die Textproduktion und prüft Inhalte per Faktencheck auf mögliche Unstimmigkeiten. Anschließend platziert eine Layout-Engine die Beiträge automatisiert in den entsprechenden Seiten.

 

Besonders weit fortgeschritten sei die Automatisierung im Lokalsport. Ergebnisse und Tabellen aus Amateurfußball und regionalen Ligen werden laut VNP automatisiert von Sportverbänden übernommen, in das Redaktionssystem importiert und direkt an die Druckerei weitergeleitet.

 

Die Inhalte werden zugleich digital genutzt. Nach Angaben von Maximilian Wachter, Prozess- und Redaktionsmanager beim VNP, würden sublokale Inhalte online besser funktionieren als ursprünglich erwartet. Als Beispiel nennt der Verlag die Rubrik „Mein Ort, meine Nachrichten“ auf NN.de.

 

Nur vier Blattmacher

Nach Unternehmensangaben reduzierte sich der personelle Aufwand für die Zeitungsproduktion durch die neuen Prozesse um rund 90 Prozent. Künftig sollen vier Blattmacher das gesamte Printprogramm mit täglich 100 bis 150 Seiten erstellen. Zuvor seien dafür bis zu 43 Mitarbeitende beschäftigt gewesen.

 

Der Verlag betont zugleich, dass Redakteurinnen und Redakteure dadurch mehr Zeit für Recherche und digitale Inhalte gewinnen sollen. Sportreporter könnten wieder verstärkt vor Ort berichten, statt Ergebnisse und Tabellen zu pflegen.

 

Als nächsten Schritt plant der VNP gemeinsam mit der dpa die weitere Automatisierung und Regionalisierung des Mantels. Ziel sei eine flexible Kombination aus Reporter- und Agenturinhalten, die sich an unterschiedliche regionale Anforderungen anpassen lasse.

 

 

 

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