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Verfolgt Holger Friedrichs OAZ ihre Kritiker?

Verfolgt Holger Friedrichs OAZ ihre Kritiker? Holger Friedrich (Foto: Imago / Bernd Elmenthaler)

Wo liegen die Grenzen journalistischer Auseinandersetzungen? Und wie dürfen Medien mit scharfer Kritik an ihrer Arbeit umgehen?

Berlin – In seiner Kolumne „Aus unseren Kreisen“ im „kress pro“ setzt sich Chefredakteur Markus Wiegand mit der Berichterstattung rund um die „Ostdeutsche Allgemeine Zeitung“ (OAZ) und deren Umgang mit Kritik auseinander. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob der Verlag unter Holger Friedrich kritische Stimmen gezielt adressiert oder juristisch unter Druck setzt:

 

Der freie Journalist Matthias Meisner, früher u. a. lange Redakteur des „Tagesspiegel“, begleitete den Start der „Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (OAZ) in verschiedenen Medien sehr kritisch. Seine Haltung zum Newcomer schildert er „kress pro“ so: „Es braucht nicht noch ein zusätzliches Organ, das unter der Überschrift Ostdeutschlands Leitmedium den Rechtsruck vorantreibt.“


Während andere Medien die Konkurrenz nur zum Start eher beiläufig kritisierten und Artikel mit Rechtsdrall oder zweifelhafte politische Verbindungen von Autoren brandmarkten, blieb Meisner am Thema dran.


Die Reaktion der OAZ: Man berichtete zweimal prominent über die aus ihrer Sicht ungerechtfertigte Kritik. Einmal auf einer Doppelseite. Autor: Verlagschef Dirk Jehmlich.


Noch ungewöhnlicher: OAZ-Chefredakteur Philippe Debionne (der in Personalunion auch die „Berliner Zeitung“ führt) verschickte nach einem Artikel im Portal „Volksverpetzer“ Fragen an die Auftraggeber Meisners. Eine lautete: „Entspricht das methodische Vorgehen der beiden Autoren bzw. der publizistische Umgang der Plattform ,Volksverpetzer‘ aus Ihrer Sicht journalistischen Standards, die mit den Grundsätzen Ihrer Institution vereinbar sind?“


Nach einer weiteren Breitseite unter dem Titel „Jetzt auch noch rechte Esoteriker: ,Ostdeutsche Allgemeine‘ relativiert Kritik an Öko-Sekte“, die Meisner (mit Oliver Rautenberg) im „Volksverpetzer“ verbreitete, verlagerte die OAZ den Konflikt auf das juristische Feld und forderte eine Unterlassung in 13 Punkten.


Ungewöhnlich: Meisner und Rautenberg greifen darin nicht nur die OAZ an, sondern spielen in Person von Redakteur Alexander Capistran auch stark auf den Mann.
Wir ersparen Ihnen die Details.


„kress pro“-Frage an OAZ-Verlagschef Dirk Jehmlich: Warum sind Sie so vorgegangen?
Seine Antwort: „Zu laufenden juristischen Angelegenheiten äußern wir uns nicht. Wenn die Angelegenheit abgeschlossen ist, können wir uns darüber aber gerne einmal austauschen. Ihre Perspektive darauf würde mich durchaus interessieren.“


Das können wir auch schon jetzt erledigen. Es ist akzeptabel, wenn Medien sich gegen eine aus ihrer Sicht falsche Berichterstattung juristisch wehren. Vor allem, wenn sich die Kritik nicht gegen das Medium richtet, sondern ein Mitarbeiter persönlich stark angegriffen wird.


Eine klare und unerklärliche Grenzüberschreitung ist es, die Kunden eines freien Journalisten anzuschreiben. Was soll das? Ist es Strategie, um Meisner einzuschüchtern, oder tatsächlich Unbeholfenheit? Keine Ahnung, aber beides ist für Profis unangemessen.


Wie bei vielen Konflikten wirkt das Ganze von außen etwas rätselhaft. Die OAZ hat offenbar Mühe, die Dauerkritik Meisners und des „Volksverpetzers“ hinzunehmen. Das ist ziemlich unsouverän und widersprüchlich für ein Blatt, das sich selbst konzeptionell mit neuen Perspektiven weit aus dem Fenster lehnen will.


Autor Meisner allerdings, und das ist auch ein wenig befremdlich, übt scharfe Kritik an Personen und OAZ, hat aber bisher wenig Ehrgeiz gezeigt, mit den Verantwortlichen des Titels ins Gespräch zu kommen.


Im Namen von „kress pro“ ergeht daher folgendes Urteil: Meisner und Friedrich werden zu einem Streitgespräch nicht unter einer Stunde verurteilt. Wir stehen weder als Mediator noch als Moderator zur Verfügung.

 

  • Ist Helene Bubrowski die Richtige für die FAZ?
  • Wem gehört die SWMH jetzt?
  • Steht das Fachmediengeschäft vor dem Auskauf?

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