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„Um den billigen Journalismus ist es nicht schade“: Heribert Prantl mit klarer KI-These

„Um den billigen Journalismus ist es nicht schade“: Heribert Prantl mit klarer KI-These Heribert Prantl (Foto: IMAGO / HMB-Media)

Prantl sieht in KI keine Gefahr für den Journalismus insgesamt, sondern eine Zuspitzung: Sie werde vor allem den „mittelmäßigen“ und „billigen“ Journalismus verdrängen. Wo Prantl Zukunft sieht.

Wien – Heribert Prantl hat beim Österreichischen Presserat in Wien eine klare These zur Zukunft des Journalismus formuliert: Künstliche Intelligenz werde den mittelmäßigen Journalismus überflüssig machen – „und um den billigen Journalismus ist es nicht schade“. Was bleibe, sei ein Journalismus mit Expertise, Quellenkenntnis und Glaubwürdigkeit. „Dieser Journalismus ist nicht umsonst und nicht billig, der kostet was“, so Prantl.


Der Kolumnist der „Süddeutschen Zeitung“ und frühere Innenpolitikchef sieht in KI damit keine Bedrohung, sondern eine Chance – allerdings nur für jene, die über das hinausgehen, was Maschinen leisten können. Investigativer Journalismus etwa sei für KI kaum erreichbar, da sie im Kern auf bereits vorhandenen Texten basiere.


Prantl übte zugleich Selbstkritik am Journalismus der Corona-Zeit: Die Branche habe zu stark applaudiert statt Grundrechte kritisch zu verteidigen. „Wir haben das nachgebetet, was die staatlichen Institutionen uns vorgesagt haben.“ Das habe dem Journalismus geschadet und Vertrauen verloren gehen lassen.


Im Umgang mit rechtsaußen stehenden Medien zeigte er sich unmissverständlich: Wer deren Positionen lediglich nachbete, mache sich selbst überflüssig. Den Kulturkampfkurs mancher Medien bezeichnete er als „falsch und abträglich“. „Den Abklatsch brauche ich nicht – und das wird irgendwann das Publikum merken.“


Zum „Häppchenjournalismus“ auf großen Tech-Plattformen sagte Prantl, Medien sollten dort nicht um jeden Preis mitspielen. Stattdessen sollten sie ihre eigentliche Stärke ausspielen: Kompetenz und Tiefe, für die in diesen Formaten kaum Raum sei.


Das Gespräch fand anlässlich des Concordia Balls 2026 statt, bei dem Prantl Ehrengast des Österreichischen Presserats war.


Heribert Prantl, Jahrgang 1953, ist Buchautor, Journalist und promovierter Jurist. Er ist Honorarprofessor an der Universität Bielefeld und Träger eines Ehrendoktorats der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg. Prantl war zunächst Richter und Staatsanwalt in Bayern, bevor er zur „Süddeutschen Zeitung“ wechselte. Dort leitete er 25 Jahre lang die Innenpolitik- und später die Meinungsredaktion, war acht Jahre Mitglied der Chefredaktion und ist bis heute ständiger Autor und Kolumnist.



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