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KNA

Springer-Konzern kauft Londoner Zeitung „Daily Telegraph“

Für 575 Millionen Britische Pfund übernimmt der deutsche Medienkonzern Axel Springer die „Bibel der Konservativen“ in Großbritannien. Vor 20 Jahren war Springer im Rennen um den „Daily Telegraph“ noch leer ausgegangen.

Berlin (KNA) – Der deutsche Medienkonzern Axel Springer expandiert nach Großbritannien und übernimmt die konservative Tageszeitung „Daily Telegraph“ und ihr Schwesterblatt „Sunday Telegraph“. Wie das Unternehmen am Freitagnachmittag mitteilte, liegt der Kaufpreis bei 575 Millionen Britischen Pfund (rund 663,3 Mio. Euro) in bar.


„Axel Springer hat sein Unternehmen 1946 auf Grundlage einer britischen Presselizenz gegründet. Seine Zeitungen entstanden in der Tradition der Fleet Street. Der Telegraph war für ihn dabei sein Leitstern“, sagte Springer-Vorstandschef und Miteigentümer Mathias Döpfner. Vor mehr als 20 Jahren hatte Springer erfolglos versucht, den damals noch größeren Telegraph-Verlag zu erwerben. Auch als die beiden Blätter vor zwei Jahren wieder zum Verkauf standen, hatte Springer wegen „zu überzogener Preisvorstellungen“ abgewunken.


„Nun wird unser Traum wahr. Eigentümer dieser Institution des britischen Qualitätsjournalismus zu sein, ist Privileg und Verpflichtung zugleich“, so Döpfner weiter. Springer zahlt allerdings auch erklecklich mehr als andere Bieter um den „Telegraph“. Der bislang aussichtsreichste Kandidat im Wettlauf um die „Bibel der Konservativen“, die britische Zeitungsgruppe DMGT, hatte im November 2025 nur 500 Millionen Pfund (rund 576 Mio. Euro) für die „Telegraph“-Titel geboten.


Springer sticht andere Bewerber aus
Zunächst hatte DMGT sogar den Zuschlag erhalten. Da der Konzern mit den Tageszeitungen „Daily Mail“, „Mail on Sunday“, „iPaper“ und der Gratiszeitung „Metro“ bereits den britischen Zeitungsmarkt dominiert, hatte Medienministerin Lisa Nandy vor drei Wochen jedoch eine ausführliche kartell- und medienkonzentrationsrechtliche Prüfung des Deals angekündigt.


Ähnliche Probleme hat Springer nicht zu erwarten, da der Konzern sonst nicht im britischen Pressemarkt aktiv ist. Der Konzern hat nach eigenen Angaben viel mit dem „Telegraph“ vor. Man wolle das Blatt ausbauen, das Erbe des „Telegraph“ als Zeitung des britischen Establishments bewahren „und dazu beitragen, ihn zum meistgelesenen und intellektuell inspirierenden, bürgerlich-konservativen Medium der englischsprachigen Welt zu machen“, so Döpfner weiter.


Reichweitenstärkste Londoner Zeitung
Ob Springer mit dem Millionen-Deal ein gutes Geschäft gemacht hat, bleibt abzuwarten. Der Telegraph-Verlag veröffentlicht seit langem keine Auflagenzahlen mehr. Nach aktuellen Branchenprognosen des Fachdiensts „Press Gazette“ führt der „Daily Telegraph“ mit geschätzt 150.000 Exemplaren täglich aber immer noch das Feld der Londoner Qualitätszeitungen neben „Times“ und „Guardian“ an. Dazu kommt ein reichweitenstarkes Digitalgeschäft. Wegen der seit mehreren Jahren tobenden Übernahmeschlacht – die Vorbesitzer Gebrüder Barclay mussten die „Telegraph“-Titel als Bankbürgschaft für ungedeckte Kredite hinterlegen – brach allerdings der Gewinn der Gruppe zwischen 2023 und 2024 von 201 Millionen auf nur noch 14,1 Millionen Pfund stark ein.


Mit dem Kauf setzt Springer seine Expansion in den englischsprachigen Raum fort. Seit 2021 gehört bereits das in den USA gegründete Nachrichtenportal Politico zu Springer. Döpfner hat den Anspruch, auch in den Vereinigten Staaten mit Springer zum führenden journalistischen Medienunternehmen zu werden.


Für Politico griff der Konzern, der seit vergangenem Jahr nicht mehr an der Börse ist und jetzt wieder als familiengeführtes Unternehmen agiert, damals sogar noch tiefer in die Tasche. Nach amerikanischen Medienberichten soll Springer rund eine Milliarde Dollar (rund 865 Mio. Euro) bezahlt haben. Politico hat heute auch Ableger in diversen europäischen Hauptstädten, eine große Redaktion in London und auch einen deutschsprachigen Ableger in Berlin. Hier gehört Politico zusammen mit der Tageszeitung „Die Welt“ und dem Online-Wirtschaftsmagazin Business Insider zur sogenannten Premium-Gruppe des Konzerns, bei der demnächst der ehemalige ARD-Journalist Helge Fuhst die Chefredaktion übernimmt.

 

 

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