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Newsroom – Markus Wieghand

„Spiegel“-Chef Dirk Kurbjuweit wegen seines neuen Romans in der Kritik

„Spiegel“-Chef Dirk Kurbjuweit wegen seines neuen Romans in der Kritik Dirk Kurbjuweit (Foto: David Maupile)

Während das Nachrichtenmagazin wirtschaftlich unter Druck steht, veröffentlicht sein Chefredakteur bereits seinen elften Roman. Das sorgt auch innerhalb der Redaktion für Kritik. Der Verlag erklärt, wann das Buch entstanden ist und weshalb die Nebentätigkeit erlaubt wurde.

Hamburg – Die Veröffentlichung eines neuen Romans von „Spiegel“-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit sorgt nach einem Bericht von kress.de auch innerhalb des Nachrichtenmagazins für Diskussionen. In der Kolumne „Aus unseren Kreisen“ im aktuellen „kress pro“ wirft Chefredakteur Markus Wiegand die Frage auf, ob ein solches Privatprojekt angesichts der wirtschaftlichen Lage des „Spiegel“ angemessen ist. Die Redaktion hat beim Verlag nachgefragt, wann Kurbjuweit an dem Buch gearbeitet hat und welche Regeln für Nebentätigkeiten gelten.


Warum schreibt der Chef des „Spiegel“ einen Roman?

Das fragen sich auch im Haus einige. „Spiegel“-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit veröffentlicht nämlich am 21. Oktober den Roman „Lillas Leben“. Inhalt laut Penguin Verlag: „Tibor wirbt um Lilla, wie er noch nie um einen Menschen geworben hat, reist ihr hinterher, schreibt ihr Kurznachrichten, ruft sie an. Alles vergeblich. Sie macht sich rar, lässt ihren Vater im Ungewissen, entzieht sich.“ Es ist der elfte Roman, den Kurbjuweit in rund 30 Jahren veröffentlicht. Und sein Verlag übertreibt nur wenig, wenn man festhält, Kurbjuweit sei einer „der vielseitigsten und renommiertesten Autoren unserer Gegenwart“.

 

Auch „Spiegel“-intern gilt der Chefredakteur noch immer als einer der besten Schreiber. Allerdings werten es nicht nur die Kritiker Kurbjuweits im Haus als ein Zeichen von Instinktlosigkeit, dass der Chef gerade jetzt sein Buch veröffentlicht. In wirtschaftlich harten Zeiten, in denen der „Spiegel“ seiner Belegschaft einiges abverlangt. Hätte er nicht wenigstens etwas schreiben können, das auf den „Spiegel“ als Marke einzahlt, fragt einer. Beispielsweise einen Beitrag zur Populismus-Debatte? Auch wenn Penguin das Buch als „brisanten Roman über die brennenden gesellschafts- und umweltpolitischen Fragen der Gegenwart“ vermarktet, bleibt es halt ein Roman und deshalb ein Privatprojekt. Damit stellten sich zwei Fragen, die „kress pro“ in aller Sachlichkeit an den „Spiegel“ gerichtet hat:

 

In welchem Zeitraum ist das Buch entstanden?

Antwort: „Dirk Kurbjuweit hat den Vertrag für das Buch Ende 2018 geschlossen. Als er 2023 Chefredakteur wurde, war der bei weitem größte Teil geschrieben. Den Rest hat er in Urlauben und hin und wieder an Abenden fertiggestellt.“

 

Warum genehmigt die „Spiegel“-Gruppe diese umfangreiche Art der Nebentätigkeit?

Antwort: „Alle ,Spiegel‘-Journalist können in ihrer Freizeit Bücher schreiben (verbunden mit der Option, dass der ,Spiegel‘-Buchverlag das Zugriffsrecht hat).“

 

Zwischen 2018 und 2023, als er den Großteil des Buchs geschrieben haben will, war Kurbjuweit Leiter des Hauptstadtbüros, also eine Führungskraft. Man kann ihn nur dazu beglückwünschen, dass diese Tätigkeit in Berlin und sein aktueller Job als „Spiegel“-Chefredakteur ihn nicht bei seiner Autorentätigkeit behindert haben. Es wäre sehr interessant zu erfahren, wie der „Spiegel“ über Spitzenpolitiker und Manager schreiben würde, die ihre offenbar reichlich vorhandene Freizeit für Roman-Projekte nutzen. Schön wär’s nicht.

 

Must-Reads im aktuellen „kress pro“:

  • Kulturkampf bei der „Zeit“. Wo es bei der Fusion von Print und Online hakt
  • Näher ran ans Publikum. Wie die „Augsburger Allgemeine“ Digitalabos gewinnen will

 

 

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