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ORF-Stiftungsrat bestellt Clemens Pig zum Generaldirektor mit 21 von 35 Stimmen

ORF-Stiftungsrat bestellt Clemens Pig zum Generaldirektor mit 21 von 35 Stimmen Clemens Pig (Foto: APA-Images / APA / MAX SLOVENCIK)

Die Entscheidung fiel nach einer Rekordsitzung. Doch die Wahl im österreichischen Öffentlich Rechtlichen Rundfunk könnte noch ein Nachspiel haben: Anfechtungen werden erwartet.

Wien – Der ORF-Stiftungsrat hat Clemens Pig zum neuen Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks bestellt. Der bisherige Geschäftsführer der Austria Presse Agentur (APA) erhielt in der Nacht auf Freitag 21 der 35 Stimmen und wird mit Beginn des Jahres 2027 die Führung des öffentlich-rechtlichen Medienhauses übernehmen.
 
Die Wahl erfolgte nach einer mehr als 15-stündigen Sitzung des Stiftungsrats, die von ausführlichen Hearings der Kandidatinnen und Kandidaten geprägt war. Neben Pig waren acht weitere Bewerberinnen und Bewerber zum Auswahlverfahren zugelassen worden. Auf Medienmanager Johannes Larcher entfielen sechs Stimmen, auf den früheren ProSiebenSat.1-Puls4-Manager Markus Breitenecker vier Stimmen. ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer erhielt drei Stimmen, ORF-III-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz eine Stimme.

Wie der ORF in eigener Sache berichtet, bezeichnete Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer das Ergebnis als klares Votum für Pigs Konzept. Das Gremium betonte zudem, dass mit dem Verfahren die Anforderungen des erstmals anzuwendenden Europäischen Medienfreiheitsgesetzes hinsichtlich Transparenz, Gleichbehandlung und Nachvollziehbarkeit erfüllt worden seien.

Pig erklärte nach seiner Bestellung, die Herausforderungen für den ORF seien „groß, vielfältig und gleichzeitig“. Als zentrale Themen nannte er das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die Finanzierung des Unternehmens sowie die digitale Weiterentwicklung. Sein Ziel sei es, den ORF von einem Rundfunkanbieter zu einer „Plattform der Gesellschaft“ weiterzuentwickeln. Schwerpunkte sollen dabei regionale Inhalte, Streaming-Angebote und neue Formate für jüngere Zielgruppen sein.

Besonders dringlich ist die finanzielle Situation des Medienhauses. Laut ORF wird dem Sender ab 2027 eine bisher vorgesehene finanzielle Kompensation in Höhe von 93 Millionen Euro jährlich gestrichen. Gleichzeitig bleibt der ORF-Beitrag von 15,30 Euro pro Monat bis 2029 eingefroren. Im Herbst plant die Bundesregierung eine Reform des ORF.

Pig wurde 1974 in Innsbruck geboren und steht seit 2016 an der Spitze der APA. Zuvor war er bereits Mitglied der Geschäftsleitung der Nachrichtenagentur. Die APA befindet sich im Eigentum des ORF sowie österreichischer Tageszeitungen.
 
Anfechtung möglich
Die Bestellung könnte noch rechtlich angefochten werden. Der FPÖ-nahe Stiftungsrat Peter Westenthaler kündigte bereits vor der Wahl entsprechende Schritte an. Auch unterlegene Bewerberinnen und Bewerber können die Entscheidung vor der Medienbehörde KommAustria überprüfen lassen.

Unmittelbar nach der Wahl kündigte Pig an, bereits in den kommenden Tagen die Übergangsgeneraldirektorin Ingrid Thurnher bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben unterstützen zu wollen. Zu seinen ersten Aufgaben zählt zudem die Besetzung der weiteren Führungspositionen im ORF. Neben den neun Landesdirektorinnen und -direktoren sind nach dem Gesetz bis zu vier zentrale Direktorenposten vorgesehen.

 

 

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