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„Nicht die Buchstaben sind das Battlefield“ – ARD baut offene Digital-Infrastruktur auf

„Nicht die Buchstaben sind das Battlefield“ – ARD baut offene Digital-Infrastruktur auf Florian Hager (Foto: Ben Knabe)

ARD-Vorsitzender Florian Hager spricht von einer strategischen Weichenstellung: Gemeinsam mit ZDF und Deutschlandradio treibt die ARD den Aufbau einer offenen digitalen Infrastruktur voran – und formuliert eine klare Ansage an die Branche.

Köln – Die ARD treibt gemeinsam mit dem ZDF und dem Deutschlandradio den Aufbau einer offenen digitalen Infrastruktur voran. Ziel ist es, technologische Abhängigkeiten von großen Plattformkonzernen zu reduzieren und eigene Systeme für Player, Empfehlungslogik und KI-Anwendungen zu entwickeln. ARD-Vorsitzender Florian Hager spricht von einer strategischen Weichenstellung – und formuliert eine klare Ansage an die Branche: „Die Buchstaben sind nicht das Battlefield der Zukunft.“

 

Im Interview mit Jana Ballweber und Steffen Grimberg vom KNA-Mediendienst beschreibt Hager den Aufbau eines modularen Open-Source-Systems, das zentrale technische Komponenten bündeln soll: Player-Technologie, Algorithmus, Empfehlungssysteme und KI-Agenten. Die Infrastruktur werde gemeinsam mit ZDF und Deutschlandradio entwickelt und sei grundsätzlich anschlussfähig – theoretisch auch für andere Marktteilnehmer.

 

„Digitale Souveränität heißt für uns nicht, alles selbst zu programmieren“, sagt Hager. Entscheidend sei vielmehr, Abhängigkeiten zu prüfen und jederzeit handlungsfähig zu bleiben. Die ARD setze deshalb auf offene Standards, eine Multi-Cloud-Strategie und breit gestreute Ausspielwege. Ziel sei es, auch im Falle externer Einschränkungen weiter publizieren zu können – wenn auch unter Umständen mit Einbußen.

 

Hintergrund der Offensive ist der wachsende Druck durch US-Plattformkonzerne und die rasante Entwicklung von KI-Technologien. Hager warnt davor, sich in brancheneigenen Abgrenzungsdebatten zu verlieren. „Was wir betreiben, sind Sandkastenspielchen“, sagt er mit Blick auf Konflikte zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern. Während man sich gegenseitig „die Förmchen klaue“, räume „hinten der Bulldozer den ganzen Sandkasten weg“.

 

Zugleich signalisiert Hager Kooperationsbereitschaft gegenüber Verlagen und privaten Medienhäusern. Die Open-Source-Infrastruktur könne perspektivisch auch für andere anschlussfähig sein. Voraussetzung sei jedoch, dass sie zunächst stabil aufgebaut werde.

 

Mit Blick auf die Debatte um Presseähnlichkeit relativiert der ARD-Vorsitzende im Interview mit dem KNA-Mediendienst die Bedeutung klassischer Textangebote. „Wenn ich mir den Reuters Digital News Report anschaue, sehe ich, dass Bewegtbild und Audio immer wichtiger werden“, sagt Hager. „Ich glaube nicht, dass die Buchstaben das Battlefield der Zukunft sind.“

 

Die ARD setzt damit klar auf eine digitale Weiterentwicklung jenseits klassischer Programmlogiken – und auf technologische Eigenständigkeit in einem zunehmend global dominierten Plattformmarkt.

 

 

 

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