Vermischtes
KNA

Mord an slowakischem Journalisten Jan Kuciak wird neu verhandelt

2018 wurden der slowakische Investigativjournalist Jan Kuciak und seine Verlobte ermordet. Die Mörder sitzen bereits hinter Gittern, nun sollen die mutmaßlichen Auftraggeber verurteilt werden – im dritten Anlauf.

Pressburg (KNA) – In der Slowakei ist am Montag der Prozess um den mutmaßlichen Auftragsmord an dem Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak wiederaufgerollt worden. Auf der Anklagebank sitzt bereits zum dritten Mal der politisch vernetzte Millionär Marian Kočner, der den Mord in Auftrag gegeben haben soll. Der Mord an Kuciak und dessen Lebenspartnerin Martina Kušnírová im Jahr 2018 führte in dem osteuropäischen Land zu Massenprotesten, die den Rücktritt der Regierung zur Folge hatten. Kuciak hatte korrupte Strukturen im Regierungsapparat und Verbindungen zur Mafia aufgedeckt.

 

Wegen mangelnder Beweise war Kočner in zwei früheren Verhandlungen freigesprochen worden. Das Oberste Gericht in Pressburg hob die Entscheidung jedoch zuletzt im Mai 2025 auf und ordnete eine Neuverhandlung an. Kočner, der wegen eines Wirtschaftsdelikts bereits eine 19-jährige Haftstrafe verbüßt, wurde am Montagmorgen von maskierten, schwer bewaffneten Polizisten in den Gerichtssaal in der westslowakischen Stadt Pezinok geführt. Er wird verdächtigt, gemeinsam mit seiner damaligen Assistentin, die ebenfalls angeklagt ist, die Ermordung von Kuciak und dessen Verlobter in Auftrag gegeben zu haben. Drei Männer, darunter die Mörder, wurden bereits rechtskräftig verurteilt.

 

Rücktritt des Ministerpräsidenten

Die Erschießung des jungen Paares hatte vor acht Jahren ein politisches Erdbeben ausgelöst. „Es ist eine Geschichte, die die Slowakei verändert hat, deren letztes Kapitel aber immer noch fehlt“, schreibt dazu das Onlineportal Aktuality.sk. Für die Nachrichtenwebsite hatte Kuciak unter anderem zu Verbindungen zwischen der Regierungsspitze und dem organisierten Verbrechen recherchiert. Die Enthüllungen und die Massenproteste nach dem Mord führten 2018 zum Rücktritt von Ministerpräsident Robert Fico, der 2023 an die Macht zurückkehrte und seither eine nationalistische, prorussische Politik verfolgt.

 

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) forderte das Gericht vor der Neuverhandlung auf, „aus den Fehlern der vorherigen Prozesse zu lernen“ und Beweise gründlich zu prüfen. „Dies ist eine neue Chance, ein Verbrechen aufzuarbeiten, das die Pressefreiheit in der Slowakei und in Europa erschüttert hat“, sagte der Direktor des RSF-Büros in Prag, Pavol Szalai. „Wir fordern das Gericht auf, unabhängig im Rahmen des Gesetzes zu urteilen. Europa blickt auf die Slowakei.“

 

 

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