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Madsack-Chef Thomas Düffert setzt ganz auf Lokaljournalismus

Madsack-Chef Thomas Düffert setzt ganz auf Lokaljournalismus Thomas Düffert (Foto: APA-Fotoservice/Roland Rudolph)

Beim European Publishing Congress hat der Madsack-Chef dem Lokaljournalismus große Chancen bescheinigt. Trotz sinkender Printauflagen setzt der Medienkonzern auf lokale Recherche, Newsletter und KI.

Wien (KNA) – Madsack-Chef Thomas Düffert hat beim European Publishing Congress in Wien dem Lokaljournalismus eine große Zukunft vorausgesagt. „Es gibt keine Mediengattung in Deutschland, die so große Chancen birgt wie der Lokal- und Regionaljournalismus“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem regionalen Medienhaus. Der Konzern mit Stammsitz in Hannover meldet aktuell einen Jahresumsatz von 1,1 Milliarden Euro.


Regionale Relevanz sowie Glaubwürdigkeit und Vertrauen vor Ort seien auch im digitalen Zeitalter Alleinstellungsmerkmale, so Düffert: „Die Zukunft liegt nicht in der Reichweite, sondern in der lokalen Recherche. Das bedeutet vielleicht auch mehr Reporter vor Ort.“


Mehr Zusammenarbeit gefordert
Die Verlage müssten aber stärker zusammenarbeiten als bisher. Dies betreffe vor allem technische Entwicklungen bis hin zur KI: „Wir brauchen eine gemeinsame digitale Infrastruktur“, sagte Düffert. Sein Haus werde jetzt „einen achtstelligen Betrag in eine neue Datenorganisation“ investieren.
Dabei kalkuliert Madsack mit weiteren Rückgängen bei der gedruckten Zeitung. Eigene Modellrechnungen kamen zu dem Ergebnis, „dass sich bis 2030 unsere Printauflage halbieren könnte“. Die 20 Titel der Gruppe haben aktuell noch eine tägliche Auflage von rund 450.000 Exemplaren. In einigen Regionen wie der Prignitz in Brandenburg hat der Konzern seine gedruckten Lokalausgaben bereits eingestellt und erscheint nur noch digital. Auch dieser Trend werde sich fortsetzen, meinte Düffert.


Erste Newsletter kostenpflichtig
In den lokalen Märkten ist das Medienhaus aber vor allem mit lokalen Newslettern erfolgreich. Diese aktuell kostenlosen Angebote hätten rund 500.000 Nutzer abonniert, künftig will Madsack hier auch kostenpflichtige Modelle ausprobieren.


Ein erster Test läuft seit der vergangenen Woche in der mecklenburgischen Hansestadt Wismar, berichtete Düffert. Neukunden des dortigen lokalen Newsletters bezahlen 99 Cent pro Woche, bislang habe man eine dreistellige Zahl von Abonnements abgeschlossen.


RND offen für weitere Verlage
Madsack liefert mit seinem zentralen Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) Inhalte für alle Titel der Gruppe, ist aber gleichzeitig auch Dienstleister für 140 weitere Medienunternehmen. „Das RND ist offen für weitere Partner“, sagte Düffert: „Auch eine gesellschaftsrechtliche Beteiligung anderer Verlage am RND würde ich nicht ausschließen.“


Beim European Publishing Congress diskutierten Medienmanager, Verleger und Journalisten über die Entwicklung ihrer Branche. In diesem Jahr steht das zweitägige Treffen unter der Überschrift „KI und Medien: Die erste große Bilanz“. Ein Höhepunkt ist die Verleihung der European Publishing Awards am Donnerstagabend. Der KNA-Mediendienst ist Medienpartner des Kongresses.

 

 

 

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