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Lea Wagner: „Bis heute ist das Arbeitsklima frauenfreundlich und sehr positiv“

Lea Wagner: „Bis heute ist das Arbeitsklima frauenfreundlich und sehr positiv“ Lea Wagner (Foto: ARD)

Die „Sportschau“-Moderatorin spricht im „medium magazin“-Interview über Stereotype gegen Frauen und die vermeintliche Deutungshoheit von Männern im Sportjournalismus.

Köln – Im Livesport ist Lea Wagner zu Hause. Wolfgang Scheidt sprach mit der „Sportschau“-Moderatorin für das „medium magazin“ über das Standing von Frauen im Sportjournalismus, ihren Einsatz bei der EM 2024 und Nationalspieler mit Schutzschild.

 

Am 3. Februar 1973 moderierte Carmen Thomas „Das aktuelle Sportstudio“ und damit als erste Frau eine Sportsendung im deutschen Fernsehen. Ihr Versprecher „Schalke 05“ sorgte für Wirbel, die „Bild“ verriss sie noch vor ihrer zweiten Livesendung. Würde Ihnen so etwas heute passieren, wäre die Reaktion die gleiche?
Lea Wagner: Dazu kann ich eine lustige Geschichte erzählen. Seit über zehn Jahren sind wir über Weihnachten und Silvester im Familienurlaub auf Fuerteventura, immer im gleichen Hotel. Beim letzten Mal kam ich am Büffet mit einer Frau ins Gespräch. Sie machte mir ein Kompliment für meine positive Ausstrahlung, mir gefiel ihre angenehme Aura, wir verabredeten uns zum Abendessen. Kurz vor dem Treffen sagte mir der Hotelchef, ich sei nicht die einzige Sportmoderatorin im Hotel, auch Carmen Thomas sei zu Gast – und zeigte auf die Dame vom Frühstück. Obwohl wir nicht wussten, dass wir beide denselben Beruf haben, waren wir uns auf den ersten Blick sympathisch. Beim Abendessen hätte ich ihr stundenlang zuhören können. Sie ist eine beeindruckende Frau mit einem unfassbaren Erfahrungsschatz. Zurück zu Ihrer Frage: Ich glaube, wenn mir heute das Gleiche wie ihr vor 51 Jahren passieren würde, wäre das Medienecho weniger vernichtend.

 

Dennoch wird etwa Claudia Neumann, die bei der Fußball-EM 2016 als erste Frau bei einem Männerturnier Spiele live kommentierte, oft unverhältnismäßig hart kritisiert; das ZDF stellte sogar Strafanzeige wegen Hass und Hetze gegen Internet-Trolle. Warum muss Claudia Neumann mehr Kritik einstecken als männliche Kollegen?

Generell müssen Kommentatoren viel Kritik einstecken, sie werden hart angegangen. Das geht männlichen Kollegen wahrscheinlich ähnlich wie Claudia Neumann. Ich glaube, Fans einer beteiligten Mannschaft unterstellen Kommentatoren eher, parteiisch zu sein. Das kann zu heftigen Anfeindungen von Fans führen. Obwohl sich bei den Kommentatoren- Teams einiges getan hat, sind Sportkommentatorinnen noch selten und für Zuschauer ungewohnt. Bei der ARD gibt es immer mehr tolle Kommentatorinnen. Es ist mittlerweile auch normal, dass eine Frau die „Sportschau“ oder „Das aktuelle Sportstudio“ moderiert.

 

Stereotype gegen Frauen oder eine vermeintliche Deutungshoheit von Männern haben Sie im Sportjournalismus nicht erlebt?

Ich habe weder negative Erfahrungen mit patriarchalen Strukturen gemacht noch sind mir männliche Kollegen mit Vorurteilen begegnet. Sowohl in der SWR-Sportredaktion als auch bei der „Sportschau“ wurde ich mit offenen Armen empfangen, bis heute ist das Arbeitsklima frauenfreundlich und sehr positiv.

 

Und in sozialen Netzwerken? Ihre „Sportschau“-Kollegin Esther Sedlaczek berichtet von Kommentaren und Direktnachrichten, die weit „unter die Gürtellinie“ gehen. Ging bei Ihnen Kritik auch schon „unter die Gürtellinie“?

Es gibt immer mal unsachliche Kommentare, aber ich habe noch nie einen Shitstorm oder Hassnachrichten bekommen. Ich nutze Social Media ohnehin sehr dosiert, trotzdem ist es mir wichtig, den Followern auch ein paar Einblicke hinter die Kulissen zu geben und auch ein paar private Eindrücke zu zeigen. Aber ich bin nicht der Typ, der einem kompletten Tag in einer Instagram-Story dokumentiert. Wenn ich mit Familie und Freunden  unterwegs bin, versuche ich, das Handy auch mal direkt zu Hause zu lassen.

 

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