Vermischtes
Newsroom – Tim Gieselmann

„Konsequent furchtlos“ – Julian Reichelt über „Nius“, Politik und den Werbemarkt

„Nius“-Chefredakteur Julian Reichelt äußert sich im „Spiegel“ zu politischer Ausrichtung, wirtschaftlichem Umfeld und seiner Rolle im Medienmarkt. Die Redaktion sieht in seinen Aussagen auch Verschwörungserzählungen.

Berlin – „Nius“-Chefredakteur Julian Reichelt sagt dem „Spiegel“, seine Website wolle „im brutalst linkspolitisch getriebenen Werbemarkt die Disruption erzeugen, die wir schon im politischen Betrieb und in der Medienbranche erzeugt haben“. „Linke Verschwörungen“ scheinen bei Reichelt „überall zu sein“, kommentiert die siebenköpfige Autoren-Riege, darunter Alexander Kühn, Ann-Katrin Müller und Anton Rainer, die das Nachrichtenmagazin für den kritischen Text über die rechtspopulistische Website auffährt. Die Sache mit dem Werbemarkt sei auch „gar nicht so wichtig“, weil Reichelt mit Frank Gotthardt einen multimillionenschweren „Mäzen“ im Rücken habe. Das Blatt zitiert anonyme Beobachter, die das Verhältnis zwischen Reichelt und seinem Gönner mit dem zwischen Vater und Sohn vergleichen. Der Ex-„Bild“-Mann sei inzwischen Gotthardts wichtigster Ratgeber.

 

Für den „Spiegel“-Text habe Reichelt zunächst nur ein Hintergrundgespräch zugesagt, später jedoch Zitate daraus freigegeben, so das Nachrichtenmagazin. Reichelt sehe sich weiter als Journalist, schränke aber ein: „Nur beim Thema der wirtschaftlich zerstörerischen Klimaideologie verfalle ich in meinen Kommentaren manchmal in Eifertum und Aktivismus.“ Er habe sich nicht radikalisiert, sondern sei „konsequent furchtlos geworden“ und „Teil einer medialen Befreiungsbewegung“. Seine Website habe sein Publikum untersuchen lassen und herausgefunden, dass die CDU-Wählerschaft stärker repräsentiert sei als die der AfD. Die Christdemokraten „wollen ständig mit uns reden“, gibt er an. Reichelt glaube mittlerweile, dass es einen „tiefen Staat“ gebe. Der „Spiegel“ beurteilt die „wie nebenbei“ gemachte Äußerung Reichelts als eine „demokratiezersetzende Verschwörungserzählung“.

 

Dass Reichelt mit seiner Arbeit „Empfehlungsschreiben“ für eine CDU-AfD-Regierung ausstelle, relativiere der „Nius“-Chef „nur ein Stück weit“: „Ich bin nicht für Schwarz-Blau, wenn die AfD so ist, wie sie aktuell ist.“ Das „Geschichtsverständnis“ der Partei sei „gruselig“. „Die CDU sollte die AfD aufspalten: die radikalsten raus, die normalen lassen, dann kann man schauen“, empfiehlt der frühere Springer-Journalist.

 

 

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