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Japanischem Journalisten droht Haftstrafe in Südkorea

Der japanische Journalist Tatsuya Kato darf Südkorea derzeit nicht verlassen. In einem Artikel hatte er die Frage erneut gestellt, wo sich Präsidentin Park nach dem Untergang der Fähre "Sewol" aufgehalten habe. Jetzt steht Kato vor Gericht.

Seoul (dpa) - Weil er über pikante Gerüchte über Südkoreas Präsidentin einen Artikel schrieb, steht der japanische Journalist Tatsuya Kato wegen angeblicher Verleumdung vor Gericht. Bei einer ersten Anhörung vor dem Bezirksgericht in Seoul bestritt Kato am Donnerstag den Vorwurf, die Ehre Park Geun Hyes verletzt zu haben. Dem früheren Korrespondenten der konservativen japanischen Zeitung "Sankei Shimbun" in Südkorea droht eine mehrjährige Haftstrafe. Der Fall rief starke Kritik an den südkoreanischen Behörden, darunter von der Organisation Reporter ohne Grenzen sowie von Tokio, hervor. 

In Katos Artikel ging es um die Frage, wo sich Park am Tag des Untergangs der Fähre "Sewol" im April aufgehalten habe, und um Gerüchte über eine angeblich unangemessene Beziehung der unverheirateten Staatschefin zu einem verheirateten Mann. Bei dem Unglück waren etwa 300 Menschen ums Leben gekommen. Die Regierung war wegen der Katastrophe stark unter Druck geraten. 

Er habe die Japaner darüber informieren wollen, wie die Südkoreaner ihre Präsidentin wahrnehmen, sagte Kato der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge dem Richter. Er berief sich auf eine Kolumne in der südkoreanischen Zeitung "Chosun Ilbo", wonach der Aufenthaltsort Parks nach dem Schiffsunglück sieben Stunden lang unklar gewesen sei. Das habe Gerüchte in Gang gesetzt, sie habe womöglich einen früheren Berater an einem unbekannten Ort getroffen. Das Präsidialamt dementierte die Gerüchte.

Der nächste Gerichtstermin wurde laut Yonhap für den 15. Dezember angesetzt. Kato, der seit Anfang Oktober nicht mehr Korea-Korrespondent von "Sankei Shimbun" ist, darf das Land derzeit nicht verlassen. 

Katos Anwälte erklärten wie schon zuvor Reporter ohne Grenzen, dass das Artikelthema klar von öffentlichem Interesse gewesen sei. Die Organisation hatte die Behörden aufgerufen, die Klage gegen Kato fallenzulassen. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Journalisten bis zu sieben Jahre Haft. Der Fall könnte nach Meinung von Beobachtern die wegen eines Inselstreits und Japans Haltung zu seiner Kriegsvergangenheit angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern zusätzlich belasten.