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Investigativjournalismus bei Springer: Lars Petersen über Quellen, Fehler und Gegenwind

Investigativjournalismus bei Springer: Lars Petersen über Quellen, Fehler und Gegenwind Lars Petersen (Foto: Markus Trantow für turi2)

Lars Petersen leitet gemeinsam mit Alexander Dinger die Investigativ-Einheit der Premium-Gruppe von Axel Springer. Im turi2-Podcast spricht er über die Arbeit an Enthüllungsrecherchen, den Umgang mit Quellen, Medienanwälten und eigenen Fehlern.

Berlin – Wie funktioniert Investigativjournalismus in einer markenübergreifenden Redaktion? Dieser Frage widmet sich der aktuelle turi2-Podcast mit Lars Petersen. Petersen führt gemeinsam mit Alexander Dinger eine kleine Investigativ-Einheit der Premium-Gruppe von Axel Springer. Das Team recherchiert für Titel wie „Welt“, „Business Insider“ und „Politico“.

 

Im Podcast gibt Petersen Einblicke in die Arbeitsweise des Ressorts und in den Alltag von Enthüllungsjournalisten. Trotz digitaler Hilfsmittel hält er den direkten Kontakt zu Menschen für entscheidend. „Journalismus ist ein People’s Business“, sagt Petersen. Gerade jüngeren Medienschaffenden rät er, die Scheu vor dem Telefonhörer abzulegen. Vertrauen zu Quellen entstehe vor allem durch offene und direkte Kommunikation.

 

Zum Arbeitsalltag gehören für Petersen auch juristische Auseinandersetzungen. Bei gut einem Drittel seiner Geschichten gebe es Gegenwind und Post von Medienanwälten. Die Unterstützung durch die Springer-Rechtsabteilung sieht er dabei als großen Vorteil. Viele Lokalmedien verfügten über eine solche Rückendeckung nicht. Dennoch ermutigt Petersen auch Kollegen in kleineren Redaktionen, investigativ zu arbeiten.

 

System erschüttert

Als Beispiel für die Wirkung der eigenen Recherchen nennt das Springer-Investigativ-Team die Enthüllungen im RBB-Skandal um die damalige Intendantin Patricia Schlesinger. Die Recherchen hätten das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nachhaltig erschüttert.

 

Petersen spricht im Podcast zugleich über die Grenzen und Risiken investigativer Arbeit. Auch erfahrene Journalisten seien nicht vor Fehlern geschützt. Er plädiert deshalb für eine offene und schonungslose Fehlerkultur in der Branche. Dabei berichtet Petersen auch über eigene Fehler und darüber, wie sich diese transparent korrigieren lassen.

 

Zum Gespräch gehört außerdem die Frage, wie Petersen damit umgeht, wenn andere Journalisten den Springer-Konzern selbst zum Gegenstand ihrer Recherchen machen. Er sehe dies „sportlich“, sagt der Investigativ-Chef. Wer an andere hohe Maßstäbe anlege, müsse akzeptieren, dass diese Maßstäbe auch für das eigene Unternehmen gelten.

 

Auch die Rolle von Hinweisgebern wird thematisiert. Petersen sieht die Möglichkeit, dass Quellen eigene Interessen verfolgen und Journalisten für ihre Zwecke einsetzen. Eine vollständige Unabhängigkeit von solchen Interessen hält er für unrealistisch: „Egal, was wir tun, werden wir ausgenutzt – in Anführungszeichen.“

 

Der turi2-Podcast mit Lars Petersen ist Teil der Themenwoche „Zeitungen“ und beleuchtet damit zentrale Fragen des heutigen Zeitungs- und Investigativjournalismus.

 

 

 

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