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KNA

Hirschhausen: Nutzung von KI für „Fake News“ bestrafen

KI hat Eckart von Hirschhausens Stimme gefälscht und ihm Fake-Werbebotschaften in den Mund gelegt. Und er sieht noch weitere Gefahren in der modernen Medienwelt.

Bonn (KNA) – Der Arzt und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen ruft dazu auf, die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) für „Fake News“ zu bestrafen. „Dänemark hat vorgeführt, wie man reagieren kann: Wer echte Menschen digital fälscht, macht sich dort strafbar. Das wäre auch in Deutschland ein starkes Zeichen“, sagte er im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

 

Menschen hätten ihn darauf aufmerksam gemacht, dass sie auf Werbung hereingefallen seien, in der er angeblich für Abnehmpillen geworben habe – mit echten TV-Ausschnitten und seiner Stimme. Dabei habe aber KI aus Videos seinen Tonfall gelernt und ihm Dinge in den Mund gelegt, die er niemals gesagt habe oder sagen würde: „Das ist gruselig und wird mit jeder neuen Entwicklung der KI immer ‚echter‘.“

 

„Solche KI-Werbung ist die moderne Pest“

Er gehe zwar juristisch dagegen vor, fügte Hirschhausen hinzu, aber allein damit lasse sich das Problem nicht in den Griff bekommen: „Solche KI-Werbung ist die moderne Pest: Menschen bringen ihre Gesundheit in Gefahr, das Vertrauen in öffentliche Personen wird zerstört, die Glaubwürdigkeit des Rundfunks unterminiert und damit verbunden auch die Grundlage unserer Demokratie: Dass man weiß, was stimmt und was nicht.“

 

Solche und andere Formen der Desinformation berührten zentrale Fragen von Menschenwürde, Wahrheit und Freiheit, ergänzte er. Darüber hinaus gebe es derzeit weitere gefährliche Entwicklungen in den Medien: „Wir lassen uns allzu sehr treiben von einer Nachrichtenlage, die oft einseitig negativ dominiert ist. Dabei gehen viele positive Entwicklungen unter. Die meist nicht besonders sozialen sozialen Medien folgen einer fiesen Logik: Je kürzer die Aufmerksamkeitsspanne und je polarisierender der Inhalt, desto mehr wird er verbreitet.“ Zum Glück gebe es aber immer noch viel mehr vernünftige Menschen in der Welt, als in den Medien vorkämen.

 

„Das zerstört unsere Meinungsvielfalt“

Außerdem nehme die Medienvielfalt immer weiter ab, so Hirschhausen weiter: „In meiner Jugend in Berlin gab es am Kiosk zehn verschiedene Lokalzeitungen – heute ist davon kaum etwas geblieben. Auf dem Land ist es noch schwieriger. Regionaljournalismus verschwindet.“

 

Medienvielfalt sei lange durch Anzeigenmärkte finanziert worden, die inzwischen fast komplett ins Netz abgewandert seien. Viele Milliarden an Werbeeinnahmen landeten bei internationalen Plattformen, die weder Steuern zahlten noch sich an Gesetze hielten: „Das zerstört unsere Meinungsvielfalt – gezielt. Und viele junge Menschen kennen gar nicht mehr den Unterschied zwischen Werbung und redaktionellem Inhalt – auf YouTube, TikTok und Co. verschwimmt das völlig.“

 

 

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