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Newsroom – Georg Taitl

„Emma“-Aus nach 50 Jahren: Alice Schwarzer stellt Zeitschrift ein

„Emma“-Aus nach 50 Jahren: Alice Schwarzer stellt Zeitschrift ein Alice Schwarzer (Foto: IMAGO / Photopress Müller)

Am 8. Dezember erscheint die letzte „Emma“. Doch warum stellt Schwarzer das feministische Magazin ein, obwohl es nach eigenen Angaben wirtschaftlich weiterhin auf soliden Beinen steht? Und was wird aus einem halben Jahrhundert journalistischer Arbeit?

Köln – Die von Alice Schwarzer gegründete Zeitschrift „Emma“ wird nach 50 Jahren eingestellt. Wie die Redaktion mitteilt, erscheint am 27. Oktober die vorletzte Ausgabe. Das letzte Heft kommt am 8. Dezember 2026 an den Kiosk. Es ist als doppelt so umfangreiche Jubiläumsausgabe geplant, in der die Redaktion auf 50 zentrale Themen aus der Geschichte des Magazins zurückblickt. Die erste Ausgabe erschien am 26. Januar 1977. Bis zur Einstellung werden insgesamt 398 Ausgaben einschließlich acht Sonderbänden mit 36.584 Seiten veröffentlicht worden sein. 

 

Unabhängigkeit als journalistisches Prinzip

Die Redaktion hebt in ihrer Mitteilung die besondere Eigentümerstruktur des Magazins hervor. „Emma“ sei von einer Journalistin gegründet worden und bis zuletzt in deren Hand geblieben. Das Blatt habe sich nicht an Profitinteressen, sondern an politischen Zielen orientiert und sei unabhängig von Konzernen, Werbung und Parteien geblieben.

 

Diese wirtschaftliche Unabhängigkeit habe den Journalistinnen große redaktionelle Freiheiten ermöglicht. Als Beispiele für Themen, die das Magazin früh aufgegriffen habe, nennt die Redaktion den sexuellen Missbrauch von Kindern ab 1978 und den Islamismus ab 1979. Auch Debatten über das Ehegattensplitting, Brustkrebs und Genitalverstümmelung habe „Emma“ nach eigener Darstellung mitgeprägt.

 

Einstellung laut Redaktion nicht aus finanziellen Gründen

Die Entscheidung, das Magazin einzustellen, begründet die Redaktion ausdrücklich nicht mit wirtschaftlichen Problemen. Zwar sinke auch die Auflage von „Emma“, die Einnahmen würden aber weiterhin die Ausgaben decken. Zudem verfüge das Magazin über finanzielle Rücklagen.

 

„Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!“, heißt es in der Mitteilung. Nach drei Generationen feministischer Arbeit sei die Redaktion ermüdet. „Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet.“

 

Archiv geht an das Deutsche Literaturarchiv Marbach

Die journalistische und publizistische Arbeit des Magazins soll langfristig dokumentiert bleiben. Das vollständige „Emma“-Archiv wird nach Angaben der Redaktion in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach aufgenommen. Ab 2029 soll es für Interessierte, Medien und Wissenschaft zugänglich sein.

 

Der Bestand umfasst Korrespondenzen, Umfragen, Unterlagen zu redaktionellen Projekten und politischen Kampagnen. Dazu gehört auch die 1988 gestartete Kampagne „PorNO“. Die bisherigen Ausgaben sind außerdem über den digitalen „Emma“-Lesesaal zugänglich.

 

Die Redaktion schließt eine Fortsetzung ihrer Arbeit in anderer Form nicht aus. Konkrete Pläne nennt sie in der Mitteilung allerdings nicht.

 

 

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