Vermischtes
KNA – Severina Bartonitschek

Eine Frau soll den Papst kommunizieren

Viel wurde zuletzt über María Montserrat „Montse“ Alvarado geschrieben. Die Tatsache, dass die neue Leiterin der vatikanischen Kommunikationsbehörde vom konservativen katholischen Mediennetzwerk EWTN kommt, ließ Medien mit „Schock-Ernennung“ oder „Amerikanerin und Traditionalistin“ titeln.

Vatikanstadt (KNA) – María Montserrat „Montse“ Alvarado soll den Vatikan besser in alle Welt kommunizieren. Aufsehen eregte die Personalie weniger, weil Papst Leo hier erstmals eine Laiin mit der Leitung einer Kurienbehörde betraut. Für Diskussionen sorgte vielmehr die Vergangenheit von Alvarado beim katholisch-konservativen US-amerikanischen Mediennetzwerk EWTN. Hatte es doch zwischen EWTN-Vertretern und seinem Vorgänger Franziskus (2013–2025) wiederholt Konflikte gegeben.

 

Im Jahr 2021 warf Franziskus bei einem Treffen mit Jesuiten in der Slowakei doch einem „großen katholischen Sender“ – gemeint war offenbar EWTN – vor, üble Nachrede über ihn zu verbreiten. Bei einem Treffen mit Vertretern des Netzwerks von EWTN legte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin im Jahr 2022 noch einmal nach. Er forderte auf, die Einheit mit dem Papst zu wahren: „Die Medien – und das gilt umso mehr, wenn sie ihre katholische Identität betonen wollen – müssen sich bemühen, keinen Hass zu verbreiten, sondern vielmehr eine nicht-feindselige Kommunikation zu fördern.“

 

Wie konnte es so weit kommen? EWTN war 1981 von der charismatischen US-Klarissin Angelica Rizzo (1923–2016), genannt Mother Angelica, gegründet worden. Während die US-Bischöfe in den 1990er Jahren die katholische Medienarbeit im Land neu ausrichten wollten, sich dabei aber jahrelang schwertaten, wuchs EWTN als Stimme vornehmlich konservativer US-Katholiken beständig. Ab Mai 2000 war der TV-Sender auch in Europa mit einem 24-Stunden-Programm auf Englisch und Spanisch zu empfangen, im Herbst des gleichen Jahres startete auch ein deutschsprachiges Programm. Seit 2006 sendet das nach eigenen Angaben ausschließlich spendenfinanzierte EWTN quasi weltweit.

 

Sender sorgt für Kontroversen

Neben einem klar konservativen Profil bot der Sender immer wieder Anlass für heftige Kontroversen. 2012 sorgte der Ordensmann Benedikt Goerschel für heftige Proteste. In seiner Sonntagssendung äußerte Goerschel im Kontext des Urteils in einem Missbrauchsfall die Ansicht, oft seien die Minderjährigen selbst die Verführer der Erwachsenen. Der damalige Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, New Yorks Kardinal Timothy M. Dolan, stellte umgehend klar: Goerschels Ansichten seien „erschreckend falsch und eine Beleidigung aller Missbrauchsopfer“.

 

Seit 1996 bereits ist der US-Moderator Raymond Arroyo das bekannteste Gesicht des Senders. Die von ihm moderierte Sendung „The World Over“ lieferte insbesondere zur Zeit von Papst Franziskus immer wieder Anlass zu Kontroversen, weil Arroyo darin ausgiebig Franziskus-Kritiker wie die Kardinäle Gerhard Ludwig Müller (Deutschland) und Raymond Burke (USA) zu Wort kommen ließ.

 

Auch sonst bezog EWTN vielfach kirchenpolitisch entschieden Stellung. Weltweite Kritiker des Synodalen Weges der katholischen Kirche in Deutschland fanden dort ebenso bereitwillig ein Podium wie die Verteidiger Benedikts XVI., nachdem der emeritierte Papst durch das 2022 vorgelegte Missbrauchsgutachten der Erzdiözese München-Freising als dessen früherer Erzbischof unter Druck geraten war. Auch Papst Franziskus’ ehrgeizigstes Projekt, die Weltsynode für eine synodalere katholische Weltkirche, wurde vom medialen Flaggschiff der Konservativen wiederholt unter Beschuss genommen.

 

Großes Medien-Netzwerk

Alvarado leitet seit 2023 den sieben Sprachen umfassenden Nachrichtenbereich von EWTN. Anfang dieses Jahres wurden die verschiedenen Informationsdienste der Gruppe, CNA und ACI, unter dem Namen EWTN News zusammengeführt. Vor ihrem Wechsel zum katholischen Medien-Netzwerk arbeitete Alvarado über 14 Jahre lang für den Becket Fund for Religious Liberty – eine US-Anwaltskanzlei, die mit hoher Erfolgsquote Fälle zu religiösen Rechten vertritt. Dazu zählen etwa die Arbeitgeber-Befreiung vom rechtlich vorgeschriebenen Zuschuss zu Verhütungsmitteln, die freie Wahl von Lehrkräften an Schulen religiöser Organisationen und das Recht eines muslimischen Häftlings auf einen Bart. Zudem führt das libertär-konservative Acton Institute die künftige Präfektin als Mitglied in seinem Verwaltungsrat.

 

Abseits von Informationen aus ihrer beruflichen Laufbahn ist wenig bekannt über die Frau, die im November die Leitung des großen wie teuren Dikasteriums übernehmen wird. Geboren in Mexiko-Stadt, wurde sie 2008 in den USA eingebürgert. Sich selbst bezeichnete sie in einem Interview 2022 als mexikanisch-katholisch: „Latina zu sein und katholisch zu sein – für mich lässt sich das nicht voneinander trennen.“

 

Aus ihrem Geburtsdatum, das üblicherweise bei neuen Personalien angegeben wird, machen Vatikan und EWTN ein Geheimnis. Inoffizielle Quellen schwanken zwischen 39 und 47 Jahren. Laut Acton Institute ist Alvarado eine erfolgreiche Jazz- und Klassiksängerin und spricht neben Englisch auch Spanisch und Französisch.

 

Sprachen und Hierarchien

Italienisch, überlebensnotwendig für die leitende Arbeit an der Kurie, fehlt ihr also noch. Daher dürfte Alvarado sich derzeit dem Sprachstudium widmen. Denn obwohl der Vatikan viele Angestellte aus anderen Ländern hat, sind Italiener klar in der Überzahl. Und die lassen sich ohnehin nicht gern in ihre gewohnten Abläufe und Hierarchien hineinreden – schon gar nicht in einer anderen Sprache.

Auf einer tieferen Hierarchie-Ebene, in der Leitung des vatikanischen Presseamts, ist ein ähnliches Experiment vor einigen Jahren krachend gescheitert. Der US-Amerikaner Greg Burke und seine spanische Vize Paloma García Ovejero, beide Journalisten, traten nach nur zwei Jahren im Amt überraschend zurück.

 

Nicht nur aus diesem Grund stellt sich die US-Amerikanerin einer schwierigen Herausforderung. Das „Dikasterium für die Kommunikation“ mit seinen rund 500 Angestellten ist eine vatikanische Dauerbaustelle, der bislang niemand Herr werden konnte. Alvarados beiden Vorgänger, Dario Viganò (2015–2018) und Paolo Ruffini, taten sich schwer, das vatikanische Kommunikationssystem zu reformieren.

 

Immer wieder Kritik

Der italienische Priester Dario Viganò (2015–2018) strauchelte über die pannenreiche Veröffentlichung eines Briefs des emeritierten Papstes Benedikt XVI. (2005–2013). Sein Nachfolger Paolo Ruffini, der im Oktober in den Ruhestand geht, geriet in die Kritik, weil er weiter Kunstwerke des wegen Missbrauchs beschuldigten Priesters Marko Rupnik in Vatikanmedien veröffentlichte.

 

Zu Alvarados künftigem Arbeitsbereich gehören neben der Pressestelle und den rund 300 ständig beim Vatikan akkreditierten Journalisten die traditionsreiche Tageszeitung „Osservatore Romano“, die seit Jahren mit sinkenden Auflagen kämpft, Radio Vatikan und das Internetportal Vatican News mit seinen 57 Sprachgruppen. Die Abteilung verwaltet zudem Foto-, Audio- und Videodienste, eine Druckerei, ein Fernsehzentrum und den vatikaneigenen Verlag „Libreria Editrice Vaticana“. Etwa 40 Millionen Euro jährlich kostet der Betrieb.

 

Ob es auf den unteren Hierarchieebenen Neubesetzungen geben wird, ist bislang nicht bekannt. Bis zu Ruffinis Abgang sind es noch fünf Monate. Dann wird klar werden, ob Papst Leo XIV. ihr bei der Umgestaltung seiner teuren Behörde wirklich den erforderlichen Handlungsspielraum lässt.

 

 

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