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Deutschlandfunk: Trennung von Jens Weinreich "endgültig"

Wenn es in Familien Streit gibt, dann wird gebrüllt, gedroht, die Fetzen fliegen. Es schmerzt ungemein, am ganzen Körper, wenn es überhaupt keine Gesprächsgrundlage mehr gibt, die gemeinsame Basis komplett verschwunden scheint.

Köln - Manche Redaktionen sind wie große Familien. Ob sie nun alle an einem Ort arbeiten, oder ständig im Kontakt stehen, per elektronischer Post oder telefonisch, sie schätzen und sie zoffen sich, das Wort Liebe wäre an dieser Stelle eventuell doch ein klein wenig zu hoch gegriffen.

Bis zu einem gewissen Punkt halt, bis zu der Diskussion, bei der es zum ultimativen Kampf kommt, bei der die Messer gewetzt werden, bei der es Tränen gibt, bei der Ultimaten gestellt werden - sei still, sei lieb, gib es zu - entweder so und auf keinen Fall anders.

 

Birgit Wentzien, Chefredakteurin Deutschlandfunk. Foto: Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré

 

 

Birgit Wentzien ist eine starke Persönlichkeit. Wer Wegbegleiter von ihr spricht, erfährt viel von einer Frau, die für guten Journalismus steht, die für die anspruchsvolle Geschichte auch in der Nacht aufsteht. Wentzien ist Absolventin der Deutschen Journalistenschule in München. Anfang April hat sie eine der bedeutendsten Führungsaufgaben im nationalen Hörfunk übernommen, als Nachfolgerin von Stephan Detjen lenkt sie seitdem den Deutschlandfunk.

Wentzien, Jahrgang 1959, muss dabei immer wieder präsent sein wie eine Löwin. Sie muss ein Haus führen, auf das alle Seiten, auch die vermeintlich "Guten", Einfluss nehmen möchten, es muss verteidigt werden, es muss auch mal durch schwierige Gewässer gelenkt werden.

Wer an ihre Redaktionen will, muss an ihr vorbei. Dass Birgit Wentzien dabei deutliche Worte finden kann, hat sie schon in ihrer Zeit beim SWR bewiesen, als sie die Sendung "Quergefragt" moderierte und natürlich bei der langjährigen Leitung des SWR-Studios Berlin.

Wie schwer der Schutz der eigenen Mannschaft sein kann, haben die vergangenen Tage bewiesen, die im Deutschlandfunk und bei vielen, an den Fall Jens Weinreich-Deutschlandfunk interessierten Journalisten für viel Kummer und Irritationen gesorgt haben.

"Jens Weinreich war ein wichtiger Teil unserer Sportredaktion", sagt Birgit Wentzien.

Die Sportredaktion im Deutschlandfunk ist winzig, aber wirkungsmächtig. Köpfemäßig ist sie so klein wie die frühere Redaktion Letmathe des IKZ im Sauerland. Dort ist die jetztige Redaktionsleiterin Astrid Rawohl geboren, ihr zur Seite stehen noch zwei weitere Redakteure. Das Pfund machen beim Deutschlandfunk die freien Journalisten aus, wie Ronny Blaschke und Erik Eggers. Und halt wie Jens Weinreich, der dort zwei Jahrzehnte zu den prägenden Köpfen zählte.

Wentzien jedenfalls hat sich umgehört, hat im Haus mit unterschiedlichen Journalisten gesprochen, den Fall Weinreich erörtert. Wer mit ihr spricht, hört in ihrer Stimme das Bedauern. "Es war ein schwieriger, ein schmerzhafter Prozess für die Redaktion." Wentzien hat sich in der vergangenen Woche deutlich geäußert, ihren Ärger über den Blogeintrag von Jens Weinreich nicht heruntergeschluckt, sondern zu Worten gegriffen, die drastisch sind, über die die angesehene Journalistin Grit Hartmann im NEWSROOM-Interview gesagt hat: "Das Statement der Chefredakteurin hat mich überrascht, eine derart erschreckende Niveaulosigkeit hätte ich dort nicht vermutet."

"Wir bedauern die Trennung", erklärt Birgit Wentzien im NEWSROOM-Gespräch. "Er ist ein exzellenter Journalist, wir wissen, was er kann, die Trennung erfolgte nicht freiwillig, es gab heftige Bedenken. Die Trennung hat nur mit seinem Verhalten zu tun", sagt Wentzien, die sich im Gegensatz zu anderen leitenden Redakteuren, deren Häuser in der Kritik stehen, im persönlichen Gespräch zu den Entwicklungen der vergangenen Tage persönlich äußert.

Wentzien sagt - auch wenn Weinreich ihren Worten in gewisser Weise in seinem Blog widerspricht - dass viele Gespräche zwischen Redaktion und Jens Weinreich geführt worden seien. Und zwar nicht etwa, weil es Druck von außen gegeben hätte, weil Weinreich zu kritisch gewesen sei. "Himmel, Sie glauben doch nicht, dass ich mich nicht vor meine Redaktion stelle, wenn die Politik bei mir anruft? Wir sind ein unabhängiges Haus, natürlich gibt es Versuche von der Politik, aber dafür bin ich da, dafür stelle ich mich vor meine Redaktion", sagt Wentzien kategorisch.

Weinreichs Kritik an den eigenen Kollegen sei es gewesen, die zur Trennung geführt habe. "Wir bedauern diese Trennung. Sie ist für uns eine endgültige Trennung", so Birgit Wentzien zu NEWSROOM.

Die Hoffnungen von Herbert Fischer-Solms, dem Doyen des kritischen Sportjournalismus, haben sich damit endgültig zerschlagen. Fischer-Solms hatte zu NEWSROOM gesagt: "Es wäre großartig für den Deutschlandfunk, diesen wunderbaren Sender, wenn er sich Jens Weinreich wieder annähern könnte. Sonst ist es ein großer Verlust für beide Seiten."

Jens Weinreich war am Dienstag für die NEWSROOM-Redaktion leider telefonisch nicht erreichbar.

Bülend Ürük

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