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Angriff auf den deutschen Finanzjournalismus: Wie „The Market NZZ“ eine Lücke nutzt

Angriff auf den deutschen Finanzjournalismus: Wie „The Market NZZ“ eine Lücke nutzt Mark Böschen (Foto: Laurent Burst)

Mit analytischer Tiefe und klarem Fokus auf Investoren expandiert „The Market NZZ“ nach Deutschland – und trifft auf einen Markt, in dem klassische Finanzberichterstattung ausgedünnt wurde. Redaktionsleiter Mark Böschen erklärt, warum selbst „Nicht-Nachrichten“ für Anleger entscheidend sein können.

Berlin – Im Windschatten der „Neuen Zürcher Zeitung“ ist ihr digitaler Finanzdienst „The Market NZZ“ nach Deutschland expandiert. Wie die Schweizer ihre Nische weiter vergrößern wollen und welche Strategie dahintersteckt, hat Henning Kornfeld für die „Wirtschaftsjournalist:in“ recherchiert. Für seine Analyse hat er mit den Machern gesprochen – ein Zusammenfassung des Gesprächs:

 

Auch eine Nicht-Nachricht kann für Mark Böschen eine relevante Nachricht sein. Die Ankündigung des Abschieds von Finanzchef Dirk Schmelzer sorgte zum Jahresbeginn für einen Kursrutsch beim Immobilienportal Scout24. Böschen, Redaktionsleiter von „The Market NZZ“ in Deutschland, recherchierte den Hintergrund der Personalie: Schmelzer geht nicht etwa im Streit, sondern im besten Einvernehmen, um eine andere attraktive Aufgabe zu übernehmen. Diese scheinbar unspektakuläre Information sei für seine Leserinnen und Leser sehr wichtig, weil sie ihnen signalisiert, dass Scout24 nicht in Turbulenzen ist, sondern ein gutes Investment bleibt, meint Böschen.

 

Die Konzentration der Berichterstattung auf die Bedürfnisse von Vermögensverwaltern und versierten Privatanlegern – das ist das Kernversprechen des im Jahr 2019 in der Schweiz gestarteten digitalen Dienstes „The Market“ (themarket.ch/themarket.de). Der Schweizer Finanzjournalist Mark Dittli hat ihn gemeinsam mit sechs Mitstreitern gegründet, mit denen er bereits bei der Fachzeitung „Finanz und Wirtschaft“ zusammengearbeitet hatte. „Wir haben kein komplett leeres Feld betreten, aber eine Lücke für analytisch hochwertige Betrachtungen der Finanzmärkte und die Präsentation spannender Investmentthemen erkannt“, sagt er rückblickend. „Sie ist dadurch entstanden, dass Banken und Broker ihr Research ausgedünnt und Medien ihre Finanzmarktberichterstattung wegen Sparmaßnahmen reduziert haben.“

 

„Zentraler Wachstumsmarkt“

Die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) war seit Beginn an dem digitalen Dienst beteiligt und übernahm ihn 2023 vollständig. Wenig später, im März 2024, expandierte er nach Deutschland. Der Schritt ins große Nachbarland war naheliegend, denn die NZZ hat Deutschland zum „zentralen Wachstumsmarkt“ für sich erkoren. Seit 2017 ist sie hierzulande mit einer eigenen Ausgabe präsent und will damit bis 2030 die Marke von 100.000 Abonnenten erreichen. Und ihr Finanzprodukt selbst erfreute sich von Anfang an eines gewissen Zuspruchs aus Deutschland, obwohl die Redaktion deutsche Unternehmen zunächst gar nicht oder nur stiefmütterlich behandelte. „Wir haben gesehen, dass es dort weiteres Potenzial gibt, das wir aber nur durch eine lokale Redaktion mit Fokus auf deutsche Unternehmen ausschöpfen können“, sagt Gründer Dittli, mittlerweile Geschäftsführer und Redakteur bei „The Market“.

 

Vier der 14 Redakteurinnen und Redakteure von „The Market“ bilden heute die lokale Redaktion in Deutschland – allesamt sehr erfahren in der Geld- und Finanzberichterstattung. Neben ihrem Leiter Böschen, früher unter anderem beim „Manager Magazin“ und bei der „Wirtschaftswoche“, sind das Arne Gottschalck (ehemals u. a. Allianz Global Investors, „Manager Magazin“), Ulrich Hanke (Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien, „Wirtschaftswoche“) und Angela Maier („Wirtschaftswoche“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Financial Times Deutschland“). (…)“

 

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Must-Reads in der aktuellen „Wirtschaftsjournalist:in“

  • Hoffnungsträger – Wer zur Next Generation in den Wirtschaftsredaktionen zählt, was sie schon erreicht haben und wohin sie wollen
  • Landwirtschaft – Eine Branche im Zerrspiegel der Medien
  • Schreiben im Schlaraffenländle – Wie Benjamin Wagener für die FAZ aus Baden-Württemberg berichtet
  • Von Finfluencern lernen – Was sich Finanzjournalisten von Finfluencern abschauen können – und wo sie sich abgrenzen müssen
  • The Market NZZ – Wie die Schweizer ihre Nische in Deutschland mit dem digitalen Finanzdienst vergrößern wollen
  • Letzte Worte – Kayhan Özgenç
  • Branchengeflüster – „Business Punk“ wird weiblich, Leon Müller pendelt (anders) weiter

 

 

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