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Lutz Marmor zurück vom WDR?

NDR-Rundfunkrat wählt Intendanten. Marmor soll nach dem Wunsch des Verwaltungsrates als Stellvertreter Arno Beyer unterstützen, der das NDR-Landesfunkhaus in Hannover leitet.

Hamburg (dpa) - Der Rundfunkrat des Norddeutschen Rundfunks (NDR) will an diesem Freitag einen Nachfolger für den scheidenden Intendanten Jobst Plog wählen. Kandidat des Verwaltungsrates ist Lutz Marmor, Verwaltungsdirektor des Westdeutschen Rundfunks und auch beim NDR kein Unbekannter. Schließlich war der 53-Jährige vor seinem Wechsel an den Rhein elf Jahre lang, von 1995 bis 2006, NDR- Verwaltungsdirektor. Ihn soll nach dem Wunsch des Verwaltungsrates als Stellvertreter Arno Beyer (52) unterstützen, der das NDR- Landesfunkhaus in Hannover leitet.

Dieser Personalvorschlag liegt seit dem vergangenen Sonntag auf dem Tisch. Der zwölfköpfige Verwaltungsrat hatte die Aufgabe, dem obersten NDR-Organ eine Empfehlung zu geben, und die fiel ziemlich eindeutig aus. Bei einer Enthaltung stimmten die übrigen elf Mitglieder für das Duo Marmor/Beyer. Einer fiel durch: NDR- Fernsehdirektor Volker Herres war ebenfalls als möglicher Kandidat ins Gespräch gebracht worden. Doch der Programmmacher hatte gegenüber dem Betriebswirt Marmor und dem Niedersachsen-Kenner Beyer das Nachsehen. Seit zehn Jahren ist der Hörfunk-Spezialist in Hannover für das größte Sendegebiet des NDR verantwortlich, dem per Staatsvertrag auch die Länder Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern angehören.

Längst sind die Zeiten vorbei, da streng nach Parteienproporz die Ämter besetzt wurden. Alle drei gehandelten Kandidaten gelten als unabhängig. Diese politische Neuausrichtung im Sender ist auch ein Verdienst des amtierenden Chefs Plog, der den Parteieneinfluss noch selbst vor seiner Einstellung als NDR-Justiziar 1977 in Hamburg erlebte. Im ersten Anlauf lehnte der CDU-dominierte Verwaltungsrat damals das SPD-Mitglied Plog noch ab, dessen Persönlichkeit letztendlich doch überzeugte. Nicht anders bei der Wahl des stellvertretenden Intendanten Plog 1980. «Es ging damals streng nach Parteienproporz zu», erläuterte er einst: «Intendant (Friedrich Wilhelm Räuker) von der CDU, Stellvertreter von der SPD». Nach elf Jahren rückte Plog an die Spitze des Senders, nach 17 Jahren als Intendant scheidet er im Januar 2008 aus.

Bei den jetzigen Vorschlägen wurden offensichtlich ganz andere Maßstäbe angelegt. Marmor, ein «Mann der Zahlen», wäre für eine weiterhin gesunde wirtschaftliche Ausrichtung des Senders im Zeitalter der Digitalisierung mit neuen Angeboten auch der öffentlich-rechtlichen Sender verantwortlich. Mit der Nominierung Beyers als Stellvertreter - ein Funkhausdirektor fern der Hamburger NDR-Zentrale - wollte der Verwaltungsrat die Region stärken. Für den Fall seiner Wahl soll er seinen neuen Posten in Personalunion wahrnehmen, sein Haupteinsatz dürfte weiterhin den Aufgaben in Hannover gelten.

Angesichts dieser auch bei anderen ARD-Anstalten üblichen Ämterbündelung gibt es bereits den Vorschlag einer Rotation. Jeder der vier Landesfunkhausdirektoren in Hamburg, Hannover, Kiel und Schwerin könnte den Stellvertreterposten - zeitlich befristet und nacheinander - übernehmen. Damit würde die Kompetenz aus der Region im Sender noch weiter gestärkt.

Die Verwaltungsratsvorsitzende Dagmar Pohl-Laukamp ist zuversichtlich, dass das Entscheidungsgremium sich dem vorliegenden Personalvorschlag anschließt: «Wir präsentieren dem Rundfunkrat eine überzeugende Lösung für die Nachfolgeregelung an der NDR-Spitze.» Eine Unwägbarkeit beim Wahlgang wird darin gesehen, dass von den 58 Mitgliedern des im Mai 2007 neu konstituierten Rates gut die Hälfte erstmals dabei ist. Von den anwesenden Mitgliedern müssen zwei Drittel überzeugt sein, dass sie am Freitag, dem 13., mit der Wahl von Marmor und Beyer die Weichen für den NDR richtig stellen.