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Fernsehchef Andreas Bartl verlässt ProSiebenSat.1

Bei ProSiebenSat.1 geht eine Ära zu Ende. Andreas Bartl, zuletzt Fernsehvorstand, verlässt die Sendergruppe. Der Abschied dürfte auch mit den zuletzt schwachen Zahlen bei Sat.1 zu tun haben. Offiziell gibt es nur Lob und Preis für das Urgestein des Münchner Konzerns.

München (dpa) - ProSiebenSat.1 und der bisherige Fernsehvorstand Andreas Bartl gehen künftig getrennte Wege. Bartl verlasse den TV-Konzern auf eigenen Wunsch bereits kommende Woche, um sich mit einem Medienunternehmen selbstständig zu machen, wie die Sendergruppe am Donnerstag mitteilte. Über die bevorstehende Trennung hatten in der vergangenen Woche bereits verschiedene Medien berichtet. Bei den Münchnern geht mit dem Abgang des 49-Jährigen eine Ära zu Ende, kaum ein anderer Fernsehmanager hat die Sender der Gruppe wohl so geprägt. Als ProSieben-Chef etablierte er unter anderem mit Stefan Raab Formate wie "Schlag den Raab" oder auch Reihen wie "Switch reloaded".

Hintergrund für das Ende der Karriere von Bartl bei ProSiebenSat.1 dürften auch die schwachen Zuschauerzahlen beim Flaggschiff Sat.1 sein. Entgegen der Pläne Bartls hatte der Sender die erhoffte Trendwende trotz einiger Achtungserfolge wie der Casting-Show "The Voice of Germany" nicht geschafft. Zum Jahresauftakt hatte Sat.1 nochmals abgeben müssen und erreichte im Januar nur einen Marktanteil von 9,4 Prozent - so wenig wie seit Jahren nicht. Offiziell gab es am Donnerstag aber nur lobende Worte für Bartl.

"Andreas Bartl hat der gesamten Sendergruppe immer wieder entscheidende Impulse gegeben, das TV-Programm den sich ändernden Sehgewohnheiten und -bedürfnissen der Zuschauer anzupassen und weiter zu entwickeln", teilte Aufsichtsratschef Götz Mäuser mit. Konzernchef Thomas Ebeling, der zunächst Bartls Aufgaben übernimmt, sagte: "Dass er jetzt, nach 20 erfolgreichen Jahren im Konzern, den Weg in die Selbstständigkeit wählt, kann ich ihm nicht verdenken." Er werde dank seine Kreativität und tiefer Menschenkenntnis dabei Erfolg haben.

Bartl will mit seiner Firma Bartl Media künftig neue Fernsehsender und TV-Formate entwicklen und dabei auch seinen früheren Arbeitgeber beraten: "Nach 20 spannenden Jahren bei ProSiebenSat.1 möchte ich mich neuen Herausforderungen als Medienunternehmer stellen und mir damit einen langgehegten Wunsch erfüllen. Ich bin dem Konzern sehr dankbar für die Möglichkeiten, die sich mir auf diesem langen und spannenden Weg geboten haben."

In den vergangenen beiden Jahrzehnten prägte Bartl den Sender und gehörte beinahe schon zum Inventar. Er überstand etliche Höhen und Tiefen. Seit 1990 ist Bartl an Bord, 2008 wurde er Vorstand. Zwischen Januar 2010 und Oktober vergangenen Jahres war Bartl in Personalunion auch Chef von Sat.1 und verordnete dem Sorgenkind eine Rückkehr zu den Wurzeln des Programms. Dem Sender sei in den vergangenen Jahren "ein bissl der Glanz abhandengekommen", hatte Bartl bei der Vorstellung seiner Pläne im April 2010 gesagt.

Er wollte den Marktanteil des Senders kräftig nach oben schrauben und mindestens auf das Niveau von 2005 bringen. "Das war ein Jahr, wo Sat.1 ohne Sehhilfe die Rücklichter von RTL erkennen konnte", sagte Bartl damals. Doch davon ist Sat.1 nach dem schwachen Jahresstart allerdings weiter entfernt denn je. Bartl setzte neben Eigenproduktionen auf hochwertige Serien. Mit Formaten wie "Danni Lowinski" oder dem Mittelalterepos "Die Wanderhure" gelangen beeindruckende Achtungserfolge, doch viel geholfen hat es nicht. Der Jahresstart lief wenig erfreulich, die Programmexperimente wie "Wolff - Zurück im Revier" verfehlten ihre Wirkung. Auch ProSieben verlor.