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Stefan von Holtzbrinck trennt sich auch von "Saarbrücker Zeitung"

Verkauf der Anteile bis Mitte 2014 - Verlag will sich "auf weniger Standbeine konzentrieren".

Saarbrücken (dapd-rps) - Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck zieht sich weiter aus dem Zeitungsgeschäft zurück. Nach "Handelsblatt", "Tagesspiegel", "Main-Post" und "Süd-Kurier" trennt sich die Verlagsgruppe nun auch von ihren Anteilen an der Saarbrücker Zeitung Verlag und Druckerei GmbH. Die Anteile sollen in zwei Schritten bis Mitte 2014 an den Mitgesellschafter, die Gesellschaft für staatsbürgerliche Bildung Saar (GSB), verkauft werden, wie die "Saarbrücker Zeitung" (Mittwochausgabe) berichtete.

Zur Mediengruppe Saarbrücker Zeitung gehören auch der "Trierische Volksfreund", die "Lausitzer Rundschau" (Cottbus) und der "Pfälzische Merkur" (Zweibrücken). Die Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben 2.700 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von über 330 Millionen Euro. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht, die Rede ist aber von einem Betrag im dreistelligen Millionenbereich.

"Die Zeit" soll bei Holtzbrinck bleiben

Verleger Stefan von Holtzbrinck begründete den Verkauf in der "Saarbrücker Zeitung" mit einer "grundsätzlichen strategischen Neuausrichtung" der Holtzbrinck-Verlagsgruppe. "Wir wollen uns im globalen Wettbewerb auf weniger Standbeine konzentrieren, auf Bildung und Wissenschaft, auf Literatur, auf digitale Geschäftsmodelle", sagte Holtzbrinck. An ihrer Beteiligung an der Wochenzeitung "Die Zeit" wolle die Verlagsgruppe aber festhalten, betonte er.

Die Holtzbrinck-Gruppe hält derzeit 52,33 Prozent an der Saarbrücker Mediengruppe, die neben ihren Zeitungsbeteiligungen auch im Bereich Postdienstleistungen, Telefon- und Branchenbücher, Internet-Portale und IT-Dienstleistungen tätig ist. In einem ersten Schritt will nun zum 1. August 2012 die GSB ihre Anteile von derzeit 26 auf 46,9 Prozent erhöhen.

Der Transaktion muss das Bundeskartellamt zustimmen. Zudem ist eine Abstimmung mit der Beteiligungsgesellschaft der Mitarbeiter erforderlich, die 15 Prozent der Anteile hält. Die übrigen 6,67 Prozent hält die "Saarbrücker Zeitung" selbst.

Beim Saarländischen Journalistenverband (SJV) wurde die vorgesehene Übernahme der Holtzbrinck-Anteile durch die GSB begrüßt. Diese "saarländische Lösung" stärke den Medienstandort und biete die Chance, den Konzern "in seiner bisherigen Struktur am Standort Saarbrücken zu erhalten und auszubauen", sagte die SJV-Vorsitzende Ulli Wagner.

Zugleich forderte der SJV vom künftigen Mehrheitseigner GSB eine Garantie der journalistischen Unabhängigkeit der zur Gruppe gehörenden Zeitungstitel. Außerdem solle die GSB darauf hin wirken, dass alle Tarifbindungen eingehalten würden und die "Saarbrücker Zeitung" wieder "zur Tarifbindung in der Fläche zurückkehrt", sagte Wagner.

GSB sucht neuen Investor für "Saarbrücker Zeitung"

Die Eigentümerkonstruktion mit der GSB geht auf eine Entscheidung des saarländischen Landtags aus dem Jahre 1969 zur Reprivatisierung der damals staatseigenen "Saarbrücker Zeitung" zurück. 26 Prozent der Anteile wurden damals an saarländische Institutionen vergeben. Die heutige GSB wird getragen von drei Stiftungen, die den damals im Landtag vertretenen Parteien CDU, SPD (je 40 Prozent) und FDP (20 Prozent) nahe stehen.

Nach den Worten des früheren Innenministers Friedel Läpple, der die SPD-nahe Stiftung Stiftung Demokratie Saarland in der GSB vertritt, sieht die Gesellschaft ihre Aufgabe aber "nicht langfristig in der unternehmerischen und verlegerischen Führung" der Saarbrücker Mediengruppe. Vielmehr strebe man an, einen neuen Gesellschafter zu finden, der die Rolle von Holtzbrinck übernehmen könne, sagte Läpple in der "Saarbrücker Zeitung".

 

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