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KNA

Deutscher Werberat prüft vor allem Beschwerden wegen Sexismus

2025 hat der Deutsche Werberat sieben Rügen gegen Unternehmen ausgesprochen. Im Vergleich zum Vorjahr gab es deutlich mehr Beschwerden. Ein eindeutiger Schwerpunkt ist dabei auszumachen.

Berlin (KNA) – Der Deutsche Werberat hat im vergangenen Jahr vor allem Beschwerden wegen geschlechterdiskriminierender Werbung erhalten. In seiner Jahresbilanz, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde, berichtet der Werberat von einem deutlich gestiegenen Beschwerdeaufkommen von knapp 2.000 Hinweisen aus der Bevölkerung. Der häufigste Beschwerdegrund sei auch 2025 wieder Sexismus gewesen.


Von den knapp 2.000 Hinweisen befasste sich der Werberat mit 451 Fällen – ein Anstieg von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In gut 100 Fällen nahm der Werberat mit den betroffenen Unternehmen Kontakt auf. 96 Werbemaßnahmen wurden daraufhin gestoppt oder geändert. In sieben Fällen, die sich auf fünf Unternehmen verteilen, sprach der Werberat eine öffentliche Rüge aus.

 

Knapp die Hälfte aller vom Rat behandelten Beschwerden (222 Fälle) bezogen sich auf Geschlechterdiskriminierung. In 49 Fällen wandte das Gremium sich an die betroffenen Unternehmen. So hatte etwa ein Auto- und Reifenservice aus Sachsen-Anhalt auf der Rückseite eines Firmenfahrzeugs mit einer nahezu nackten Frau geworben. Durch die „übertriebene Nacktheit und den fehlenden Zusammenhang zur beworbenen Dienstleistung“ sei die Frau auf ihre Sexualität reduziert und damit herabgewürdigt worden.

 

Sexualisierung von Frauen

Ein Thüringer Unternehmen erhielt ebenfalls eine Rüge wegen einer knapp bekleideten Frau auf einer Fahrzeugwerbung. Ein Bau- und Elektrotechnikunternehmen aus Schleswig-Holstein wurde wegen eines Social-Media-Videos gerügt, in dem ein Reinigungsfahrzeug, das Abwasser aufnimmt, über seine „Saugleistung“ mit einer Frau verglichen wurde. Durch diese doppeldeutige Gegenüberstellung würden Frauen sexualisiert und auf eine vermeintliche Bereitschaft zu sexuellen Handlungen reduziert, so der Rat. Damit erschienen Frauen als Objekt sexueller Erwartungen.

 

An zweiter Stelle der Beschwerdegründe stand 2025 der Komplex Ethik und Moral mit 47 behandelten Fällen, auf Platz drei folgten Beschwerden zu Alkoholwerbung (36 Fälle). In der Kategorie Diskriminierung behandelte der Rat insgesamt 22 Fälle.

 

Der ähnlich wie der Deutsche Presserat aufgebaute Deutsche Werberat ist die Selbstkontrolleinrichtung der Werbewirtschaft. Grundlage seiner Arbeit ist der dem Pressekodex nachempfundene Werbekodex. Träger des Werberats sind die aktuell 43 Mitgliedsorganisationen des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW). Über Beschwerden entscheiden 15 ehrenamtlich arbeitende Fachleute aus den Bereichen werbende Wirtschaft, Medien, Agenturen, Werbeberufe und Marktforschung.

 

 

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