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„Leider und erstaunlicherweise gibt es in unserer Gesellschaft immer noch Themen, die tabu sind“

„Leider und erstaunlicherweise gibt es in unserer Gesellschaft immer noch Themen, die tabu sind“ Viola Wallmüller: „Was wir Frauen wollen“

Wie Zeitschriften neue Sichtweisen eröffnen können, erklärt Viola Wallmüller, Chefredakteurin von "TV für mich", "Frau von heute" und Leiterin des Center of Quality bei Funke.

"TV für mich" ist weit mehr als „nur“ Unterhaltung, sie ist auch Sprachrohr ihrer Leser und Leserinnen, Freundin und Ratgeberin. Die Verbundenheit zwischen dem Team rund um Chefredakteurin Viola Wallmüller und der Zielgruppe ist auch in der neuen Gesundheitsreihe spürbar. Nicht umsonst trägt die Serie den Titel „Was wir Frauen wollen“. Welche Botschaft dahintersteckt, wie Zeitschriften neue Sichtweisen eröffnen können und wie sich das Magazin in den letzten Jahren gewandelt hat, sagt Viola Wallmüller.

 

Warum setzt "TV für mich" gerade jetzt einen gezielten Fokus auf Frauengesundheit?

Wir haben das Thema schon immer im Fokus, da TV für mich auch eine Frauenzeitschrift ist. In der Medizin nimmt das Thema so langsam Fahrt auf - das Bewusstsein dafür, dass Frauen körperlich und emotional anders ticken als Männer, ist geweckt. Wir schärfen jetzt den Fokus, um als Zeitschrift unseren Beitrag zu leisten und, das wäre schön, aus dem „langsam“ ein „etwas schneller“ zu machen.

 

Wie seid ihr auf den Serien-Titel „Was wir Frauen wissen wollen“ gekommen? Welche Botschaft steckt für euch dahinter?

Uns selbst geht’s auch so: Wir wollen wissen, was in der Medizin passiert, was sich für uns zum Positiven ändert. Diagnostik, Therapie, Versorgung – zu all den Gesundheitsthemen brauchen wir Frauen umfassende Information und fundierte Aufklärung. Das ist die Botschaft des Serien-Titels „Was wir Frauen wissen wollen“. Also direkt drauf zu.

 

Nach welchen Kriterien habt ihr die Themen für die ersten Folgen ausgewählt?

Wir starten mit dem Herz, der Muskel, der Leben bedeutet. Weitere Themen sind saisonal bedingt wie etwa Beschwerden mit der Blase, im Sommer nahezu ein Dauerbrenner, ebenso Venen, Gefäße, man denke an lange Urlaubsflüge. Auch die Wechseljahre stehen ganz vorn, Hitzewallungen im heißen Sommer – da braucht es Information und Erleichterung.

 

Was ist dir und euch als Team bei der Aufbereitung sensibler Gesundheitsthemen für eure Leserinnen besonders wichtig?

Leider und erstaunlicherweise gibt es in unserer Gesellschaft immer noch Themen, die tabu sind. „Darüber spricht man nicht“, sagen die einen. „Das ist doch peinlich“, sagen die anderen. Dazu gehören auch gesundheitliche Fragestellungen wie Inkontinenz, Blasenschwäche und etliches mehr, was Frauen betrifft. Ich halte dieses Getuschel für falsch. Deshalb stehen wir für den offenen Umgang mit diesen Themen, wissen aber natürlich auch um unsere Verantwortung. Wir reden nicht drumherum, vergessen aber nie den Respekt vor unseren Leserinnen. Wir machen das, was eine Freundin tun würde: offen und behutsam Wege aus der Problematik suchen und anbieten.

 

Wie schafft man es, medizinische Expertise so zu vermitteln, dass sie verständlich und alltagstauglich bleibt?

Die Grundlage ist pures Handwerk. Wer seinem Gegenüber einen komplizierten Zusammenhang erklären will, muss zuvor selbst tief und umfassend in das Thema eingestiegen sein. Um das zu schaffen, braucht man als Redakteurin, als Redakteur ein bewährtes, gewachsenes Vertrauensverhältnis zu Experten und ein Gefühl der Verantwortung in der Redaktion gegenüber der Leserschaft.

 

Mit welchen Expertinnen und Experten arbeitet ihr zusammen?

Unsere Kontakte zu Expertinnen und Experten für nahezu alle medizinischen Bereiche sind über Jahre gewachsen. Zu unserem Netzwerk gehören Top-Ärzte aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.

 

Können Zeitschriften wirklich gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen?

Gesellschaftliche Veränderungen – das ist eine sehr hohe Erwartungshaltung. Ich würde geerdeter rangehen: Unterhaltende Zeitschriften wie TV für mich können gute Gesprächspartner sein, Inspirationen und sicherlich auch neue Sichtweise für viele Themen anbieten. Und das ist schon eine Menge.

 

Seit 2023 bist du Chefredakteurin von "TV für mich": Wofür steht das Magazin heute in einem stark umkämpften Zeitschriftenmarkt?

Es ist eine eigentlich ganz einfache Formel: aus zwei mach eins. Wir bündeln das gesamte Portfolio einer klassischen Frauenzeitschrift mit dem umfassenden Service einer klassischen TV-Zeitschrift. Und das mit vielen Extras. So bieten wir im TV-Programm eine Fülle an Hintergrund- und Zusatzinformationen zu den TV-Sendungen. Bei den Themen im Frauenzeitschriften-Teil finden Leserinnen kuratierte Sendehinweise, die ergänzen, unterhalten, vertiefen. Das sind absolute Alleinstellungsmerkmale. 

 

Wie hat sich "TV für mich" in den vergangenen Jahren redaktionell weiterentwickelt? Auf was seid ihr da besonders stolz?

Da möchte ich beim Cover anfangen. Wir unterziehen die Gesichter auf den Covern keiner Beauty-Behandlung, das war vor mir anders. Die aus TV bekannten Schauspielerinnen und Moderatorinnen dürfen Fältchen haben wie alle Frauen 50+. Wunderbare Gesichter gestandener Frauen, ganz natürlich.

Und: Wer auf dem Cover ist, kommt in der relevanten TV-Programmzeit auch vor, sei es in einem Spielfilm, einer neuen Show oder ähnliches. Wir verbinden Frauen- und TV-Zeitschrift auf vielfältige Weise. Übrigens auch im 16-seitigen Übersteher. Die Rezepte von TV-Köchinnen, TV-Köchen und TV-Stars sind begehrt. 

 

Was macht die Zielgruppe von TV für mich so besonders?

Unsere Leserinnen stehen mitten im Leben, managen Familien, sind stark im Beruf, können trösten und lachen, engagieren sich für andere. Kurz gesagt: Diese Frauen, unsere Zielgruppe, halten den Laden zusammen. Davor haben meine Redaktion und ich persönlich großen Respekt.

 

Manche behaupten, Fernsehen werde immer mehr zu einem Relikt. Was entgegnest du solchen Kritikern?

Es stimmt, das klassische Fernsehen muss sich vielfältiger Konkurrenz stellen, steht unter Druck. Trotzdem glaube ich, dass dieses oftmals „altmodisch“ genannte Medium auch für junge Generationen wichtig ist. Es braucht in einer Zeit voller Fake News und unterschwelliger Desinformation journalistische Berichterstattung und fundierte Nachrichten, wie sie das öffentlich-rechtliche Fernsehen bietet.

 

Die Branche hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Ist Journalismus für dich immer noch ein Traumberuf?

Ganz klar: ja! Meine Neugier auf andere Menschen, mein Interesse an anderen Lebenswegen ist ungebrochen. Und auch in einer veränderten Branche bleibt Journalismus eine Säule der Freiheit und Demokratie, davon bin ich überzeugt.

 

Was ist dein Motor, um täglich kreative Arbeit leisten zu können? Wie entspannst du und was inspiriert dich?

Motor ist meine Neugier aufs Leben mit all seinen Facetten. Da möchte ich einfach keinen Tag verpassen. Entspannung schenken mir Sport, Bücher, Treffen mit Freunden, Theater, Kino, Reisen. Und das wiederum inspiriert mich dann zu neuen Themen. Gewissermaßen ein Kreislauf.