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Jean Pütz wird 75 - "Bin Ruhestandsverweigerer"

Wer Jean Pütz hört, denkt an die "Hobbythek". Knifflige Wissenschaftsthemen treiben Pütz auch als Senior noch um - und er sorgt sich um die Jugend. Wenn er jetzt 75 wird, ist sein Töchterchen noch nicht mal ein Jahr alt.

Köln (dpa) - Wie man Waschmittel oder Bier selber macht, Flecken zu Leibe rückt, mit Allergien klarkommt oder Aloe Vera nutzt - das alles hat 30 Jahre lang Jean Pütz im Fernsehen erklärt. In der "Hobbythek", die er 1974 erfand, vermittelte Pütz Wissenschaft des Alltags auf unterhaltsame Weise und in einfacher Sprache. Er schaffte einen WDR-Publikumsrenner über Jahrzehnte. Heute macht der Journalist keine TV-Sendungen mehr. Aber er tourt mit seiner "Pütz-Munter-Show" und gut 100 Experimenten durchs Land, erklärt Neugierigen und Tüftlern weiter die Welt. "Ich bin ein Ruhestandsverweigerer." Der Journalist wird am 21. September 75 Jahre alt - und sorgt sich um die Jugend. Schließlich hat er selbst kleine Kinder.

"Es war ja nicht nur die "Hobbythek", mein Steckenpferd. Ich habe viele Sendungen gemacht, in denen es darum ging, Menschen auf eine lockere und nicht dumme Weise zu informieren", erzählt Pütz, der auch Elektriker war, Autor und Produzent. Er kam 1970 zum Westdeutschen Rundfunk und baute die Redaktion Naturwissenschaften und Technik auf. Nach der "Hobbythek" entwickelte er 1984 die "Wissenschaftsshow", die er einige Jahre moderierte und aus der 1991 "Quarks & Co" mit Ranga Yogeshwar wurde. Im WDR war Pütz auch im Umweltmagazin "Dschungel" zu sehen, im Ersten in "Bilder der Wissenschaft", im ZDF beim Servicemagazin "Volle Kanne".

Pütz treibt noch immer die Wissensvermittlung um: "Der einzige wirkliche Rohstoff, den wir in Deutschland haben, ist Wissen. Und diesen Rohstoff - das Wissen in den Köpfen unserer Jugend - sehe ich gefährdet", sagt der frühere Oberstudienrat. "Ich mache mir Sorgen, dass Deutschland technologisch ins Hintertreffen gerät. Wir brauchen Wissenschaftler, Handwerker, Ingenieure und natürlich auch Lehrer, die die Jugend ansprechen."

In seiner Show erklärt er derzeit, wie man am besten Energie spart und schwindende Ressourcen sinnvoll nutzt. "Es liegt mir am Herzen, Schicksalsfragen unserer Zeit darzustellen - und zwar ohne eine wissenschaftliche Fachsprache und ohne Professoren nachzuplappern. Sondern so, dass die Leute es auch verstehen. Wissenschaft darf kein Herrschaftswissen sein." Beim Thema Atomkraft gebe es wenig Vernunft und viel Unwissen. "Ich habe schon vor 40 Jahren vor Kernkraft gewarnt und sehe mich jetzt bestätigt."

Pütz meint: "Zehn Jahre nach meiner Pensionierung lieben mich die Leute immer noch und strömen in meine Show." Unternehmen müssen ihn buchen, für Jugend und Schulen macht er es umsonst. In bergischen Land hat er sich ein "Nullenergiehaus" mit eigener Biokläranlage gebaut, wo er mit Frau Pina, Sohn Jean (12) und Julie Josephine lebt, die noch nicht einmal ein Jahr alt ist. Sein Ältester ist 52 und anerkannter Biochemiker in Straßburg.

Tja, das Alter. "Ich werde den 75. nicht feiern. Mir stinken schon die ganzen Reden. Wenn ich es bis 80 schaffe, dann gibt es eine Riesenfete wie zum 70.", meint Pütz. "Das Thema Alter hat mich beruflich immer beschäftigt, für Reportagen bin ich um die ganze Welt gereist (...) und plötzlich bin ich selbst derjenige, der dran ist." Er lebe gesund, versuche sich "selbst zu überlisten" und esse nur zweimal am Tag. Pütz engagiert sich für Kinder in Not, beim Kinderschutzbund, der Tafel oder im Kinderdorf. "Wenn ich meine Popularität dazu nutzen kann, dann gerne." Aber: "Promi möchte ich nicht genannt werden, denn meine Frau hasst Promis."

Dutzende Begleitbücher zur "Hobbythek" hat Pütz geschrieben und viele Millionen Mal verkauft. Jetzt sitzt er über einem neuen Projekt: "Wie kann man im Leben gut über die Runden kommen? Das werde ich am eigenen Beispiel mal zu Papier bringen". Autobiografie will er das nicht nennen. Das Prinzip seines neuen Buches sei aber dem langjährigen Motto seiner TV-Ratgebersendungen ähnlich: "Ich habe schon bei der "Hobbythek" immer alles erst einmal an mir selbst ausprobiert. Wenn ich es überlebt habe, habe ich es danach im Fernsehen gezeigt. Nicht viel anders ist es mit dem Buch."