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Stefan Aust über die aktuelle KI-Diskussion: "Das sollte man nicht tun"

Stefan Aust über die aktuelle KI-Diskussion: "Das sollte man nicht tun" Stefan Aust und Markus Wiegand beim EPC 2026 (Foto: Oberauer / Isabella Klambauer)

Beim European Publishing Congress in Wien äußert sich Stefan Aust zur KI-Debatte – über Döpfners Kommentar, den Fall Casdorff und die Frage, wo KI im Journalismus seine Grenzen haben muss.

"Eigentlich bin ich zu alt für das Thema", kommentiert der frühere "Spiegel"-Chefredakteur und "Welt"-Herausgeber Stefan Aust im Bühnen-Interview beim European Publishing Congress in Wien die aktuelle KI-Debatte. Im Gespräch mit "kress pro"-Chefredakteur Markus Wiegand liefert der Publizist, der ChatGPT selbst als Antwortmaschine nutzt, dann aber doch seine Perspektive auf die Frage, wie weit der KI-Einsatz im Journalismus gehen darf. Als er etwa merkte, dass der umstrittene KI-Kommentar von Springer-Chef Mathias Döpfner auch von einer KI verfasst wurde, habe er sich "gewundert, wie eine KI so erstklassig möglicherweise falsche Sachen oder auch richtige Sachen formulieren kann". Er selbst, so wird im weiteren Verlauf des Gesprächs deutlich, würde die KI aber weder schreiben noch Cover gestalten lassen.

Den Fall des geschassten Stephan-Andreas Casdorff, der zugegeben hatte, ganze Meinungsbeiträge im "Tagesspiegel" von einer KI habe schreiben lassen, kommentiert er mit den Worten: "Das sollte man nicht tun." Eine abschließende Meinung zu dem Thema habe er sich aber noch nicht gebildet. Er kenne Casdorff sehr gut, habe oft mit ihm gefeiert und gestritten und wolle zunächst mit ihm selbst sprechen und sich nicht auf das verlassen, was in den Zeitungen steht.

Grundsätzlich plädiert Aust dafür, alle vorhandenen Techniken im Journalismus zu nutzen, um Informationen und Inspiration zu sammeln. Dazu gehöre auch die KI. Er vergleicht das mit seiner Arbeit als junger Journalist. Damals sei er mit seinem VW-Cabrio beim NDR vorgefahren, habe etliche Archiv-Ordner mitgenommen und sich daraus umfassend informiert. So wie ein Archiv, das aus alten Zeitungsartikeln besteht, Fehler haben könne, mache auch die KI Fehler. Das Aufschreiben der Informationen, das Bilden von Meinungen und daraus abgeleitete politische Positionen sieht er aber bei Journalisten bzw. Politikern.

Außerdem äußert sich Aust in dem Interview auch zur aktuellen Medienkrise. Das Gespräch gibt es als Video-Podcast u.a. bei Spotify.

Zuvor hatte Verena Oberauer, Geschäftsführerin und Mit-Gesellschafterin des Medienfachverlags Oberauer, zu dem auch turi2 gehört, "Europas größten KI-Kongress für Medien" in Wien eröffnet. In ihrer Keynote beklagt sie ein "eng geschnürtes wirtschaftliches Korsett", fehlende Unterstützung durch die Politik und "überbordende Bürokratie". Diese "Handschellen" würden Medienhäusern die dringend benötigten Ressourcen und die Zeit rauben, "die wir für unsere Transformationsprozesse so dringend brauchen".

Beim EPC treffen sich bis heute Abend knapp 500 Führungskräfte aus dem Publishing in ganz Europa, um über die Zukunft der Branche zu diskutieren, sich über Trends und Techniken zu informieren und voneinander zu lernen. Am Nachmittag wird u.a. Madsack-CEO Thomas Düffert erwartet, zudem wird Publizist Stefan Aust am Abend mit dem "Kress Award" für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
open.spotify.com (27-Min-Video-Podcast)