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Warum Zögern für Medienprofis teuer wird

Warum Zögern für Medienprofis teuer wird Attila Albert

Karrierecoach Attila Albert erklärt, warum gerade große Lebensentscheidungen nicht vertagt werden sollten – und welche Chancen im Warten verloren gehen.

Berlin – Unentschlossenheit ist einer der wichtigsten Gründe, warum Menschen nicht erreichen, was ihnen sonst möglich wäre. Mehr noch: Warum sie sich beruflich wie privat mit Situationen abfinden, die für sie wirklich nicht günstig sind. Dabei geht es nicht um die vielen kleinen Überlegungen des Alltags: Sage ich meinem Chef jetzt die Meinung oder lasse ich es, kaufe ich dieses oder jenes, reise ich hierhin oder dorthin? Sondern um die wenigen, dafür großen Lebensentscheidungen: Soll ich meinen aktuellen Job behalten oder wechseln, eine längere Weiterbildung beginnen, meine Beziehung fortführen, den Wohnort wechseln – oder nicht?


Bei diesen Entscheidungen geht es wirklich um etwas. Sie wirken viele Jahre nach und können den gesamten weiteren Lebensweg verändern. Ich kann das aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Ein unerwartetes Arbeitsangebot führte mich von Deutschland in die Schweiz, wo ich seit inzwischen zwölf Jahren lebe und nun eingebürgert bin; ein spätes berufsbegleitendes Studium und eine Weiterbildung aus privatem Interesse führten mich zum nebenberuflichen Coaching und zu Workshops, dann zum Wechsel vom Journalismus in die Beratung; eine Buchidee führte zu inzwischen sechs veröffentlichten Ratgebern.


Chancen und Risiken abwägen, aber nicht blockieren

Lebensentscheidungen sind die bewusste Wahl zwischen verschiedenen Optionen. Eine davon ist immer, sich nicht zu entscheiden, auch wenn man sich das vielleicht selbst nicht eingestehen will, sondern nebulös bleibt: „Ich warte erstmal ab“, „Mal sehen, wie es sich entwickelt“, „Das muss reifen, ich überlege noch“, „Ich mache erst mal gar nichts“. Konsequenzen hat das immer, die vorteilhaft oder schädlich sein können und sich nicht so schnell wieder korrigieren lassen. Chancen und Risiken, Vor- und Nachteile wollen abgewogen sein, ohne dass man blockiert ist und sich gar nicht mehr bewegt.


In politisch oder wirtschaftlich unsicheren Zeiten zögern Menschen noch mehr, ohne dass das per se eine gute Taktik wäre. In einer YouGov-Umfrage sagten 17 Prozent, dass sie wegen der aktuellen Lage größere Anschaffungen aufgeschoben hätten. Lebensentscheidungen wurden ebenso häufiger vertagt, darunter zu Geldanlagen und Altersvorsorge (8 Prozent), die weitere Lebensplanung (6 Prozent), zu einem möglichen Jobwechsel und Karriereschritt (5 Prozent Prozent) oder einen Immobilienkauf oder Miete (5 Prozent). Andere dagegen suchen und nutzen gerade jetzt ihre Chancen, investieren und entscheiden „antizyklisch“. Generell sollte man Lebensentscheidungen aus verschiedenen Gründen nicht ewig verschieben.


Es ist offen, ob die Lage von selbst besser wird

In bestimmten Situationen ist Abwarten die beste Taktik – und zwar dann, wenn die Zeit für einen arbeitet. Das setzt voraus, dass man mit hoher Sicherheit davon ausgehen kann, dass sich die Umstände bald zum eigenen Vorteil ändern werden. Beispiel: Der Chef ist schwierig, aber man weiß, dass er im nächsten Jahr in Rente gehen wird und kann deshalb abwarten. Bei einer problematischen Gesamtlage, die zudem bereits seit Jahren andauert und kein absehbares Ende hat, ist dieses Vorgehen dagegen nicht empfehlenswert. Man würde seine Hoffnung auf etwas setzen, das wahrscheinlich gar nicht eintreten wird.


Verpasste Chancen lassen sich nicht immer aufholen

Zwar muss man nicht ständig alle Gelegenheiten nutzen, die sich einem bieten, sondern sollte sogar immer wieder ruhige Lebensphasen einschieben, in denen man nur seinen Alltagsverpflichtungen nachgeht und sich auf den nächsten Urlaub freut. Aber ein gewisser Respekt vor der Endlichkeit des eigenen Lebens sollte einen dazu bewegen, nicht Jahre davon zu verschwenden. Beispiel: Sie haben erkannt, dass Ihre aktuelle Stelle weder Freude macht noch eine Perspektive hat, verschleppen den überfälligen Wechsel aber trotzdem immer wieder. Diese verlorenen Jahre lassen sich nicht zurückholen. Woanders hätten Sie sich in der Zeit weiterentwickeln und aufsteigen können.


Manches wird schwerer, je länger man wartet

Selbst fällt es einem bei körperlichen Fähigkeiten auf: Lange scheint sich da nicht viel zu verändern, aber irgendwann merkt man, dass es nicht mehr so wie früher geht. Auch im Berufsleben wird manches schwerer, je länger man wartet, weil sich gewisse Zeitfenster mit besonderen Chancen (z. B. Wachstum bei einem Unternehmen, offene Stellen in einem neuen Bereich) wieder schließen. Auch bei einem selbst gibt es diese chancenreichen Zeitfenster, die nicht ewig andauern. Beispiel: Bewerben Sie sich mit Ende 30 irgendwo, können Sie noch als jung und vielversprechend durchgehen – mit Mitte 40 weniger.


Man richtet sich unmerklich im Mittelmaß ein

Zwar hat jeder seine eigene Dynamik, aber langfristig passt man sich seiner Umgebung an. Das gilt auch für den Arbeitsplatz, speziell für die Unternehmenskultur und das Betriebsklima inklusive dem üblichen Verhalten der Kollegen. Wartet man mit seinen Entscheidungen zu lange ab, wird man sich unweigerlich dem annähern, was einen täglich umgibt und das als „normal“ empfinden. Beispiel: Die meisten Kollegen im aktuellen Team sind unzufrieden und beklagen sich, bleiben aber doch. Man wird es zunehmend ebenso als „vernünftig“ empfinden, sich mit den Umständen zu arrangieren und nichts zu riskieren.


Äußere Umstände spielen oft nicht die größte Rolle

Gelegentlich dienen äußere Umstände auch als Ausrede, um keine Entscheidung treffen und die Verantwortung dafür übernehmen zu müssen. Tatsächlich sind veränderte Risiken (z. B. schlechtere Wirtschaftslage) zu bedenken. Aber häufiger geht es dabei eher um eigene Unbequemlichkeiten oder die von wichtigen Bezugspersonen als um wirkliche Abhängigkeiten. Beispiel: Einen überfälligen Jobwechsel angeblich deshalb immer wieder aufschieben, weil noch ein Kind die Schule bzw. Universität nicht abgeschlossen hat. Die Umstände müssen nicht perfekt sein, um mit einer wichtigen Veränderung zu beginnen.

 

Zur vergangenen Kolumne: Wenn der Chef nicht handelt

 

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.

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