Jobs
Newsroom

Nebenberuflich selbstständig: So gelingt das Extra-Einkommen

Nebenberuflich selbstständig: So gelingt das Extra-Einkommen Attila Albert

Steigende Lebenshaltungskosten treiben immer mehr Berufstätige in die nebenberufliche Selbstständigkeit. Wie der Einstieg gelingt und worauf es dabei ankommt, erklärt Karrierecoach Attila Albert.

Berlin – Kürzlich erzählte mir eine Journalistin – solides Gehalt, gut verdienender Ehemann, zwei Kinder –, dass sich ihre Familie ihre üblichen Sommerferien nicht mehr leisten kann. Seit Jahren fuhren sie ins selbe Ressort nach Slowenien, aber im Lauf der Zeit haben sich die Preise dort verdreifacht. Auch die Flugpreise in der Hauptsaison haben ein Niveau erreicht, das ihr Budget weit übersteigt. Dazu die Preissteigerungen für den Alltagsbedarf, u. a. für Heizung, Strom, Benzin, Krankenkasse, Lebensmittel. Zwei Gutverdiener mit Kindern, bei denen es finanziell eng wird – Alleinstehende betrifft die allgemeine Inflation umso mehr.

 

Bei Urlaubskosten und anderen Freizeitvergnügen kann man verzichten oder eventuell auf günstigere Alternativen ausweichen (die erwähnte Familie macht nun Ferien in Italien, wo sie die kleine Ferienwohnung einer Verwandten nutzen kann). Aber vielen Ausgaben des Alltags kann man nicht ausweichen. Der naheliegende Ausweg: Das Einkommen muss rauf. Angesichts der Wirtschaftslage ist die Chance auf eine Gehaltserhöhung oder einen Nebenjob jedoch gering. Ebenso sind besser bezahlte Jobs knapp, und viele wollen aktuell sowieso keinen Wechsel riskieren. Was aber immer geht: frei etwas dazuverdienen.

 

Entsprechend ist die Zahl der Selbstständigen in Deutschland schon im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, 70 % davon nebenberuflich. Das heißt, sie arbeiten neben ihrer Haupttätigkeit noch „auf eigene Rechnung“, um mehr Geld zur Verfügung zu haben. Dabei sind einige Grundregeln zu beachten: Die Gesamtarbeitszeit (Haupt- plus Nebenjob) darf durchschnittlich höchstens 48 Stunden pro Woche betragen; die Nebentätigkeit darf dem Arbeitgeber keine Konkurrenz machen oder seinem Ruf schaden. Auch darf sie nicht dazu führen, dass die Haupttätigkeit leidet (z. B. wegen ständiger Übermüdung). Doch für den finanziellen Erfolg einer nebenberuflichen Selbstständigkeit braucht es mehr.

 

Zusatzeinkommen als Priorität definieren

Wer sich etwas dazuverdienen will, muss das für sich als Priorität festlegen – und nicht etwa als Nebeneffekt, der sich hoffentlich ergibt, wenn die Aufträge nur interessant genug sind. Das lenkt den Fokus auf erfolgversprechende Kunden und Projekte und verhindert, dass man Zeit in etwas investiert, das gar nicht oder nur gering bezahlt ist, auch wenn es „spannend“ oder „wichtig“ ist.

 

Für Medienprofis, die bisher immer angestellt waren, ist dieser Fokus auf Umsatz ein ungewohnter und oft beängstigender Gedanke. Bisher waren schließlich andere dafür zuständig, etwa die Kollegen in der Vermarktung und im Vertrieb. Auch langjährige Pauschalisten und Freie empfinden sich vielfach eher als externer Teil der Redaktion denn als Unternehmer. Der klare Fokus auf Einnahmen korrigiert das.

 

Tipp: Ein Umsatzziel festlegen, etwa bei Reduzierung der Arbeitszeit (Teilzeit) als Erstes den verlorenen Gehaltsanteil durch eigene Projekte zurückholen. Solch ein Ziel erinnert immer wieder an das Ziel der eigenen Aktivitäten und macht den Erfolg messbar.

 

Geschäftsidee im Detail ausarbeiten

Oft beginnen Medienprofis, die ein Zusatzeinkommen anstreben, mit naheliegenden Ideen: nebenbei irgendwo als Dozent unterrichten, Workshops z. B. zu Recherche und Schreiben geben, ein Buch oder PR-Texte schreiben. Einiges davon ist finanziell allerdings gar nicht so lukrativ wie allgemein erwartet (z. B. Lehraufträge), zudem konkurriert man immer mit anderen. Vieles hängt auch von der inhaltlichen Positionierung ab: Für einen ganztägigen Schreib-Workshop können typischerweise 300 bis 600 Euro verlangt werden, ein Strategie-Workshop würde dagegen bei rund 2000 Euro beginnen.

 

Wichtig ist es daher, die eigene Geschäftsidee schrittweise zu klären und auszuarbeiten. Das ist auch die Basis für eigene Marketing-Materialien – eine Webseite, einen Flyer, das E-Mail-Anschreiben.

 

Tipp: Mit einem A4-Blatt beginnen, auf dem Sie knapp vier Fragen beantworten – was wollen Sie anbieten (Produkt oder Dienstleistung), für wen (Zielgruppe), welches Problem der Zielgruppe lösen Sie damit (Nutzen) und wie (Umsetzung Ihres Angebots).

 

Kombination mit Teilzeitregelung sinnvoll

Der Aufbau einer nebenberuflichen Selbstständigkeit braucht Zeit – und das bereits vor dem ersten Kunden bzw. Auftrag. Das Ausarbeiten der Geschäftsidee und das Erstellen der Marketing-Materialien lässt sich noch nach Feierabend bewerkstelligen. Aber für das Gewinnen der ersten Kunden und Aufträge braucht es die gezielte Ansprache von möglichen Interessenten (Akquise), Vorgespräche und Verhandlungen tagsüber.

 

Auch die ersten Aufträge lassen sich noch am Wochenende, an freien Tagen oder an einem Urlaubstag umsetzen. Auf Dauer kommt man aber um eine Teilzeitregelung kaum herum, wobei das erwartete Zusatzeinkommen natürlich höher als der anteilige Gehaltsverlust sein muss. Schon eine Arbeitszeitreduzierung auf 80 % (ein Tag weniger) hilft hier enorm.

 

Tipp: Vorab den realen Gehaltsverlust bei einer Teilzeitregelung ausrechnen lassen. Da auch die Steuern und Sozialabgaben sinken, ist die Nettoeinbuße geringer und lässt sich meist durch kleine Einsparungen verkraften, bis die ersten Aufträge kommen.

 

Freier Werktag für das eigene Unternehmen

Häufig legen Berufstätige, die sich für Teilzeit entscheiden, ihren arbeitsfreien Tag auf den Freitag. Das sorgt für ein angenehm verlängertes Wochenende und ist allgemein üblich, hat aber für eine nebenberufliche Selbstständigkeit eher Nachteile. Bei vielen potenziellen Kunden ist freitags auch kaum jemand im Büro. Daher gehen Akquise-Nachrichten an diesem Tag oft ins Leere. Ebenso sollen Vorgespräche mit Interessenten sowie Veranstaltungen (z. B. gebuchter Workshop) meist in der Wochenmitte stattfinden.

 

Wer ein Zusatzeinkommen als seine Priorität definiert hat, sollte bei einer Teilzeitregelung seinen freien Tag daher auf den Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag legen. Gleichzeitig hilft man damit auch seinem Arbeitgeber, weil er die Wünsche nach arbeitsfreien Tagen besser verteilen kann.

 

Tipp: Den „freien“ Tag als Arbeitstag für das eigene Unternehmen sehen und entsprechend planen, nicht mit Privatangelegenheiten (Arztbesuch, Sport, Einkauf) füllen. Morgens z. B. Aufträge umsetzen, nachmittags weiter am Geschäftsplan und am Marketing arbeiten.

 

Kundengewinnung gehört dauerhaft dazu

Die größten Bedenken haben Medienprofis, die über eine nebenberufliche Selbstständigkeit nachdenken, in Bezug auf die Akquise, also auf die Gewinnung von Kunden und Aufträgen. Hier muss klar sein: Sie gehört dauerhaft dazu und lässt sich nicht delegieren. Anfangs geht es darum, überhaupt einen zahlenden Kunden zu finden, danach darum, die Zahl der Kunden zu steigern – und schließlich darum, deren Qualität (Zahlungsfähigkeit, Aufwand, Aufgabeninhalt) zu erhöhen.

 

Fortlaufende Akquise bringt also nicht nur neue Kunden und Aufträge, sondern erlaubt auch, das eigene kleine Unternehmen zu gestalten: sich wieder von Kunden zu trennen, mit denen man nicht mehr gern zusammenarbeitet, weil man neue gefunden hat. Mit den ersten Erfolgen wachsen hier Selbstsicherheit und Mut.

 

Tipp: Sich hier nicht lange mit Sorgen und Ängsten aufhalten, sondern beherzt angehen (anfangs bei Bedarf mit professioneller Hilfe durch einen Mentor, Coach oder Trainer). Akquise ist größtenteils Handwerk, lässt sich lernen und macht bald sogar Spaß.

 

Zur vergangenen Kolumne: Warum Zögern teuer wird

 

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.

www.media-dynamics.org 

Top Meldungen aus Jobs