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Karriere mit 50 plus: Sechs Fehler, die Medienprofis ihre Zukunft kosten können

Karriere mit 50 plus: Sechs Fehler, die Medienprofis ihre Zukunft kosten können Attila Albert

Wer mit 50 plus seine berufliche Zukunft neu bewertet, steht oft vor grundlegenden Fragen. Karrierecoach Attila Albert zeigt, welche Fehler Medienprofis vermeiden sollten.

Berlin – Wenn sich Medienprofis über 50, also bereits jenseits der Lebensmitte, für ein berufliches Coaching interessieren, dann meist nicht ganz freiwillig. Häufig stellt sich ihre Situation so dar: Die Kinder – meist selbst schon lange Erwachsene und viel zu lange versorgt – sind endlich aus dem Gröbsten heraus. Damit ist wieder Zeit und Kraft dafür da, an die eigene berufliche Zukunft zu denken. Dabei reifen bald zwei ernüchternde Einsichten: Dass die bisherige Position wahrscheinlich nicht bis zur Rente tragen wird und man bisher auch keine Alternative für sich sieht. Gewisse Ideen hatten diese Medienprofis zwar schon, sie haben sie aber bisher nicht genauer durchdacht, geplant oder gar praktisch angegangen.

 

Meist empfinden die Betroffenen das als persönliche Enttäuschung. Sie waren davon ausgegangen, dass sich ihr jahrzehntelanger Einsatz, Fleiß und Ausdauer auszahlen würden, sodass sie sich in diesem Alter keine existenziellen Sorgen machen müssten. Stattdessen stehen sie nun vor grundlegenden Fragen: Wie soll es für mich weitergehen, wer will mich jetzt noch, was kann und will ich überhaupt? Denn obwohl sie in der Branche oft wenig vernetzt sind, da sie sich lange auf einen Arbeitgeber konzentriert haben, ist ihnen klar: Das Umfeld hat sich inzwischen völlig verändert. Was aber tun? Hier typische Fehler, die sie vermeiden sollten – und welches Vorgehen sich stattdessen empfiehlt.

 

Fehler 1: Erst zuletzt an die eigene Zukunft denken

Die eigene berufliche Zukunft sollte nicht etwas sein, an das man erst denkt, wenn gar nichts anderes mehr anliegt. Das gilt insbesondere für Einzel- und Hauptverdiener, die finanzielle Verantwortung für andere tragen. Sonst vergehen viele Jahre mit den Herausforderungen des Alltags und einem ständigen Verschieben („Wenn die Kinder erst einmal aus dem Gröbsten heraus sind“, „Wenn meine Eltern mich nicht mehr brauchen“). Je später aber begonnen wird, desto schwieriger ist eine berufliche Veränderung. Empfehlung: Eine jährliche Standortbestimmung, um für sich zu klären, wo man beruflich und persönlich steht und wohin man sich entwickeln will. So gestaltet man seine Zukunft und reagiert nicht nur.

 

Fehler 2: Sich mit sentimentalen Erinnerungen aufhalten

Nicht jede Entwicklung in der Medienbranche der vergangenen Jahrzehnte war positiv, vieles war früher unbestritten besser. Wer über 50 ist, weiß das aus eigenem Erleben und tut sich deswegen manchmal schwer, sich von den Erinnerungen an die frühen Berufsjahre zu verabschieden und uneingeschränkt für das Neue zu begeistern. Das führt nicht selten dazu, dass man in der Vergangenheit stecken bleibt, von alten Zeiten erzählt („Ich weiß noch, als wir damals …“) und betrauert, dass vieles heute nicht mehr so ist. Empfehlung: Regelmäßig Zeit mit jungen Branchenkollegen verbringen und von ihnen lernen, was ihre Weltsicht, ihre Interessen und ihr Herangehen angeht. Das hilft, gedanklich selbst jung zu bleiben.

 

Fehler 3: An einem überholten Berufsbild festhalten

Wer bereits seit zwei oder drei Jahrzehnten im Berufsleben steht, empfindet das Bekannte als normal und kennt nach langer Tätigkeit für ein Medienhaus oft auch nicht viel anderes. Die Branche hat sich in diesem Zeitraum aber enorm verändert und weiterentwickelt, was sich in den heutigen Aufgaben und Anforderungen widerspiegelt. Wer sie nicht kennt und beachtet, sucht möglicherweise nach einer neuen Stelle, wie es sie gar nicht mehr gibt. Empfehlung: Der regelmäßige persönliche Austausch mit Medienprofis mit verschiedenen Arbeitgebern erweitert den Horizont, gibt Einblicke in Trends und Chancen. Auch der Besuch von Branchenveranstaltungen wie dem European Publishing Congress fördert das.

 

Fehler 4: Nicht mit der aktuellen Technik vertraut sein

Bestimmte Mediengattungen (TV, Radio, Online) waren schon immer technischer geprägt als der klassische Printjournalismus. Gerade dort gibt es bis heute Medienprofis, die mit relativ einfachen, seit Langem etablierten digitalen Anwendungen noch immer ihre Mühe haben. Beispiel: einen Videoanruf führen, mit Cloud-Dokumenten arbeiten, den Laptop aktualisieren. Das darf im KI-Zeitalter, in dem man deutlich anspruchsvollere Werkzeuge zumindest als Anwender beherrschen sollte, jedoch keine Herausforderung mehr sein. Empfehlung: Wissens- und Verständnislücken im technischen Bereich ohne falsche Scham angehen. Oft braucht es dafür gar keinen IT-Kurs. Vieles kann man sich per Erklärvideos (YouTube) erschließen, von anderen erklären lassen und selbst ausprobieren.

 

Fehler 5: Auf Einsteiger- und Junior-Positionen bewerben

Die Kombination aus Ratlosigkeit und Unsicherheit, was jetzt zu einem passen würde, führt nach den ersten Absagen oft dazu, dass sich Medienprofis auf viel zu niedrige Positionen bewerben (z. B. als einfacher Redakteur, Social-Media- oder Content-Manager). Das wird von den Arbeitgebern aber nicht als Flexibilität oder Bescheidenheit bewertet und honoriert. Stattdessen haben sie den Eindruck, dass hier jemand orientierungslos oder verzweifelt ist und bei einer Zusage bald weiterziehen würde. Empfehlung: Wer über 50 ist, sollte sich nur auf Fach- und Führungspositionen bewerben, die eine gewisse Seniorität erwarten. Sind bestimmte neuere Berufsbilder unklar, vorher über das genaue Profil informieren.

 

Fehler 6: Das Berufsleben gedanklich zu früh beenden

Lange haben Politiker wie Arbeitgeber einen frühen Abschied vom Arbeitsleben propagiert und aktiv gefördert: Altersteilzeit ab 55, Frührente mit 63. Diesen Zeitplan haben viele Berufstätige noch immer im Kopf. Da scheint es mit Anfang 50 nur normal, mit gebremsten Ambitionen aufzutreten. Aber die Zeiten haben sich geändert. Das Rentenalter wird ständig heraufgesetzt, die Altersteilzeit soll reduziert werden, und auch aus finanziellen Gründen (Abschläge) müssen viele länger arbeiten. Empfehlung: Davon ausgehen, dass man über das Rentenalter hinaus arbeiten kann und wahrscheinlich auch will (z. B. bis Mitte 70). Wer so plant, für den lohnt sich selbst eine Weiterbildung oder Umorientierung mit 60 noch.

 

Zur vergangenen Kolumne: So werden Medienprofis zu gefragten Experten

 

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.

www.media-dynamics.org 

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